Die Aktionskunst des Hermann Nitsch erfasst alle Sinne und erfordert mitunter starke Nerven. Nitsch bindet nackte Menschen mit verbundenen Augen an Kreuze, Blut wird ihnen in den Mund gegossen und geschlachtete Schweine werden ihnen auf den Leib gebunden. Helfer in besudelten weißen Gewändern stopfen Eingeweide in die Kadaver zurück und wühlen bis zum Ellenbogen darin herum, hantieren mit Organen und Messern. Blut und Gedärme fließen dabei in Massen.
Orgien-Mysterien-Theater nennt Nitsch diesen zentralen Teil seines Schaffens – es sind aufwühlende Inszenierungen, bedeutungsbeladen und assoziationsreich, gleichzeitig Rituale voller Wucht und Urgewalt.
Als Nitsch in den 60-er Jahren mit dieser Kunstform begann, musste er dafür drei Mal ins Gefängnis und sah sich gezwungen, Österreich zu verlassen. Bald darauf wurde er weltweit gefeiert und längst stellen die renommiertesten Sammlungen seine Werke aus. Zwei Museen sind sogar allein ihm gewidmet: das Museo Nitsch in Neapel und das Hermann Nitsch Museum im Niederösterreichischen Mistelbach.
Nitsch malt zusätzlich mit Farben und auch das ist ein Spektakel. Die abstrakten Schüttbilder können gigantische Formate annehmen. Der massige Maler mit dem langen weißen Bart koordiniert dabei oft ganze Scharen von Assistenten in weißen Kitteln. Farbe wird eimerweise vergossen und mit Händen, Füßen oder Besen verteilt und bearbeitet, während sich Fotografen, Kameraleute und Zuschauer um das Geschehen drängen.
Die Ergebnisse dieser Aktionen sind auch in Österreich in zahlreichen Museen zu erleben:

Geb: 27. Februar 1928 in Wien
Gest.: 5. Dezember 2009 in Wien
„Alle Kunst kommt vom Fleisch.“
