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Architektur mit fremder Würze

Österreich als Kulturnation verdankt seinen Ruf nicht nur der Musik, Literatur und Bildenden Kunst. Auch die Architektur nimmt einen herausragenden Stellenwert ein. Wie ein Blick auf die Geschichte zeigt, ist auch hier wie in allen Kunstrichtungen der Austausch mit anderen Kulturen lebensnotwendig für die Weiterentwicklung. Während im Barock der italienische Einfluss sehr stark war, prägte im Historismus der „Franz-Joseph-Stil“ ausgehend von Wien die Architektur vieler europäischer Städte. In den letzten zwanzig Jahren hat Österreich neuerlich ein architektonisches Erwachen erlebt.

Holzarchitektur in Vorarlberg © Österreich Werbung / Peter Burgstaller
Holzarchitektur in Vorarlberg © Österreich Werbung / Peter Burgstaller
Staatsoper in Wien © Österreich Werbung/Viennaslide
Staatsoper in Wien © Österreich Werbung/Viennaslide
Salzburg, Stadtansicht © Salzburg Tourismus
Salzburg, Stadtansicht © Salzburg Tourismus

Es muss ein wahres Sprachengewirr geherrscht haben an der Baustelle des Salzburger Doms anno 1620: einheimische Bauarbeiter, versprengte Soldaten aller Herren Länder und zwischendrin ein italienischer Baumeister, der alles lebhaft dirigierte. Santino Solari war ein vielbeschäftigter Mann, schliesslich war er nicht nur mit dem Neubau des Salzburger Doms, sondern auch mit der Erneuerung der gesamten Befestigungsanlage der Stadt betraut.
So wie Solari kamen in den kommenden Jahrzehnten viele italienische Architekten in das Kaiserreich, um Österreich jenen barocken Glanz zu verleihen, für den es noch heute berühmt ist. In Wien wirkte Filiberto Lucchese an der Kirche Am Hof und am Leopoldinischen Trakt der Hofburg, Carlo Antonio Carlone liess Stift Sankt Florian barock erblühen und Domenico Martinelli verlieh dem Gartenpalais Liechtenstein Glanz und Würde.

Im Barock kaufte man Architekten ein wie heutzutage Fussballklubs Legionäre. Jeder Fürst oder Bischof, der auf sich hielt und es sich leisten konnte, baute à la italianità. Eine herausragende Stellung nahm dabei der Genueser Johann Lucas von Hildebrandt ein. Hildebrandt kam nach Wien und hinterliess seine Spuren an vielen bedeutenden Bauwerken wie z.B. dem Belvedere, der Peterskirche, dem Palais Schwarzenberg, Schloss Hof in Niederösterreich und Schloss Mirabell in Salzburg.

Dieser beispiellose kulturelle Austausch ist den kunstsinnigen Kaisern Leopold I., Joseph I. und Karl IV zu verdanken, die allerdings auch handfeste politische Interessen verfolgten: Schliesslich wollten sie den Prachtbauten des französischen Erzrivalen, des Sonnenkönigs Ludwigs XIV., Paroli bieten und liessen daher barocke Repräsentationsbauten wie Schloss Schönbrunn errichten.
Der Barock hat in Österreich zweifellos die Adern der Architekturgeschichte mit frischem Blut gefüllt. Lange genug hatte man sein eigenes Süppchen gekocht, ohne die mediterrane Würze in den Kochtopf zu lassen.

Mit dem Barock begann ein kultureller Austausch, der auch neue Impulse, die von Österreich ausgingen, mit einschloss.

Mit dem Wiener Klassizismus verbreitete sich österreichische Architektur in die Kronländer. Noch deutlicher wurde der Einfluss Österreichs in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts: Im gesamten Reich, nun Österreich-Ungarn, kam es zu einer räumlichen Ausweitung der Städte. Nach und nach wurden die Stadtmauern geschleift, Boulevards und Plätze errichtet sowie neue Viertel erschlossen, um dem Anstieg der städtischen Bevölkerung Rechnung zu tragen. Vorbild dafür war Wien, wo sich mit der Ringstrasse und ihren Prachtbauten der Glanz der imperialen Metropole manifestierte. Die besten Architekten Europas waren für den Hof tätig: etwa Gottfried Semper, der zuvor in Dresden und Zürich wirkte, oder Theophil Hansen, ein Däne, der durch seine Studien und Bauten in Athen die griechische Antike architektonisch neu entdeckte und interpretierte. In dieser Zeit erhielten auch Prag, Brünn, Krakau, Lemberg, Triest, Agram, Pressburg und Budapest ein neues Antlitz – allerorts zog mit riesigen Verwaltungsgebäuden und Kultureinrichtungen der „Franz-Joseph-Stil“ ein.

Eine Kunstrichtung, die in Wien ihren Ausgang nahm und starken Einfluss auf Europa und sogar Amerika nahm, ist der Jugendstil (1890 – 1910). Heute ist der florale Stil des Wiener Jugendstils etwa noch an den Wohnhäusern am Wiener Naschmarkt, der Kirche am Steinhof oder der Wiener Secession mit ihrer charakteristischen Goldkuppel zu sehen.

In den letzten 20 Jahren hat Österreich ein architektonisches Erwachen erlebt – und das hat es wahrlich in sich: Zu erleben ist dies angesichts futuristischer Gebäude wie dem Kunsthaus in Graz, den Kulturbauten Lentos-Museum und Ars Electronica Center in Linz oder dem hypermodernen Regierungsviertel in St. Pölten. Und von Vorarlberg geht europaweit eine neue Architektur in Holzbauweise aus, die eine Symbiose mit der Landschaft, mit der Geschichte der Region und der Identität ihrer Bewohner anstrebt. Ganz nach dem Motto: „Nicht der Mensch ist für die Architektur da – die Architektur ist für den Menschen da“.

Architektur-Highlights in Österreich