Von der Faust des Falkners steigt der prächtige Vogel auf und zieht hoch in die Luft, bis er die Beute erspäht: Seit 5.000 Jahren macht sich der Mensch den Jagdtrieb von Greifvögeln zunutze.
Als Bub entdeckte Josef Hiebeler Bilder über das Mittelalter. Warum Herrscher und edle Frauen damals mit Greifvögeln porträtiert worden waren, verstand er nicht. Sein Grossvater, ein Tierarzt, erklärte ihm, dass es
Jagdfalken seien, und erzählte ihm von der Falknerei – doch das jahrtausendealte Wissen sei verloren gegangen. Was mit einer einfachen Frage in den 1950er Jahren begann, wurde zur
Leidenschaft und Lebensaufgabe: Josef Hiebeler verbrachte Jahre in den weiten Steppen Kirgisistans und Kasachstans und lernte von Nomadenstämmen die hohe Kunst der Falknerei, die auch das Abrichten anderer Greifvögel, beispielsweise Habichte und Sperber, umfasst. Insbesondere lernte er das Jagen mit Adlern, die auch grössere Beute schlagen und so eine ganze Familie mit Fleisch versorgen.
Heute gilt der
Österreicher Hiebeler als einer der herausragenden Experten der Falknerei weltweit und stellt sein Wissen in Arabien genauso zur Verfügung wie in Asien. Und er kann auch die Frage aus seiner Kindheit beantworten: Mittelalterliche Herrscher sahen in der Falknerei einen exklusiven Zugang zu den Geheimnissen der Natur und eine anspruchsvolle Charakterschule. Nur
durch Ausdauer, Vernunft und verantwortliche Fürsorge kann diese luftig-freie Partnerschaft zwischen Mensch und Vogel gelingen. Die Falknerei ist eine
Kunstform der Jagd und als solche vielfach auf Tapisserien, Gemälden oder Ziergläsern in Museen und Schlössern zu bewundern.
Zwei Adelssitze in Niederösterreich sind deshalb auch der ideale Rahmen, um die Falknerei zu erleben: Auf dem
Falkenhof Rosenburg wird die Flugkunst von Adlern, Bussarden, Falken und auch Geiern vorgestellt, während im Burgmuseum eine kurze Geschichte der Falknerei präsentiert wird.
Auf
Schloss Waldreichs ist das Niederösterreichische
Falknerei- und Greifvogelzentrum untergebracht – samt Jagdfalkenhof mit Flugvorführungen auf Beuteattrappen, Falknereimuseum und dem österreichweit einzigartigen Eulenpark. Unter der Beratung von Falknermeister Josef Hiebeler ist hier eine
europäische Musteranlage für die Greifvogelzucht und die Wissenschaft entstanden. Zugleich ist Waldreichs Zentrum der Falknerausbildung.
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