
Sigmund Freud
Vater der Psychoanalyse – zwischen Wiener Alltag, Couch und Kulturgeschichte
Sigmund Freud wurde 1856 in Freiberg in Mähren geboren. Bereits 1859 kam er mit seiner Familie nach Wien, einer Stadt, die sein Denken nachhaltig prägen sollte. Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte er Medizin an der Universität Wien, promovierte 1881 und arbeitete als Arzt im Allgemeinen Krankenhaus Wien.
Ein Studienaufenthalt in Paris bei Jean-Martin Charcot im Jahr 1885 veränderte Freuds Blick auf Krankheit und Psyche. Zurück in Wien ließ er sich als Arzt nieder und begann, neue Wege im Verständnis der menschlichen Psyche zu gehen. Bereits 1882 hatte er sich heimlich mit Martha Bernays verlobt. Da Freud finanziell noch nicht abgesichert war und Martha keine Mitgift hatte, mussten beide mehrere Jahre auf die Hochzeit warten. Die lange Verlobungszeit führte zu einer intensiven Fernbeziehung, die vor allem durch Briefe getragen wurde. Aus dieser Zeit sind über tausend Briefe erhalten geblieben, die Einblick in Freuds persönliche Gedankenwelt geben. Gemeinsam hatten sie sechs Kinder, darunter Anna Freud, die später selbst internationale Anerkennung fand und das Werk ihres Vaters weiterentwickelte.
Fast fünf Jahrzehnte lebte und arbeitete Freud in der Berggasse 19, im 9. Bezirk in Wien. Diese Adresse wurde zum Zentrum seines Denkens. In diesen Räumen entstanden Texte wie „Die Traumdeutung“, veröffentlicht um 1900, die den Traum als Schlüssel zum Unbewussten verstand. Die Couch, auf der seine Patientinnen und Patienten lagen, wurde zum Sinnbild der Psychoanalyse und der Methode der freien Assoziation. Freuds Thesen fanden internationale Aufmerksamkeit, stießen jedoch auch auf Widerstand – insbesondere wegen seiner Betonung der Sexualität als grundlegenden psychischen Trieb. Dennoch fand seine Arbeit Anerkennung: 1902 wurde er zum außerordentlichen Professor und 1919 zum ordentlichen Titularprofessor der Universität Wien ernannt. 1924 machte ihn die Stadt Wien zum Ehrenbürger und 1930 erhielt er den Goethe-Preis der Stadt Frankfurt.
1938 zwang die nationalsozialistische Verfolgung Sigmund Freud zur Emigration nach London. Dort starb er am 23. September 1939. Sein Werk wirkt weit über die Medizin hinaus: Literatur, Kunst, Film und Philosophie greifen bis heute auf die Ideen des Vaters der Psychoanalyse zurück. Die Grundlagen dafür entstanden in Wien – einer Stadt, die Wissenschaft, Alltag und Kultur bis heute auf besondere Weise verbindet.
Auf der Bellevuehöhe, im Wienerwald, kam Freud 1895 die entscheidende Idee zur Traumdeutung.
Sigmund Freud in allen Perspektiven
„Die Biographen aber sollen sich plagen, wir wollen's ihnen nicht zu leicht machen. Jeder soll mit seinen Ansichten über die 'Entwicklung des Helden' recht behalten, ich freue mich schon, wie die sich irren werden.“
Brief an seine Frau Martha Bernays
Auf Freuds Spuren in Österreich
Originalorte der Psychoanalyse
Sigmund Freud Museum Wien
Ein Klingelschild, ein Stiegenhaus, eine Tür: Im Freud Museum Wien beginnt der Besuch dort, wo Sigmund Freud Gäste empfing. In der Berggasse 19 lebte Sigmund Freud fast ein halbes Jahrhundert – hier dachte, arbeitete und schrieb er. Die original erhaltenen Räume öffnen heute den Blick auf einen Alltag zwischen Familie, Forschung und Stadtleben. Seit der Renovierung im Jahr 2020 sind erstmals alle Bereiche zugänglich, vom Wartezimmer bis zu den privaten Wohnräumen. Fotografien, Objekte und persönliche Spuren erzählen von Leben und Arbeit des Vaters der Psychoanalyse – und von der Entstehung seiner Ideen zur Traumdeutung. Auch ohne die originale Couch, die sich heute in London befindet, bleibt Freuds Arbeitswelt präsent – per Smartphone lässt sie sich mittels Augmented Reality virtuell an ihren ursprünglichen Platz zurückholen.
Ergänzt wird das Museum durch Europas größte Psychoanalyse-Bibliothek, ein Forschungsinstitut sowie wechselnde Sonderausstellungen und zeitgenössische Kunst im Schauraum.