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    Von Schuppen und Sternen – eine Langlauf-Premiere

    Wer zum ersten Mal auf Langlaufskiern steht, muss erst einmal den Übergang vom Gehen zum Laufen erlernen. Mit der richtigen Technik wird man dabei nicht unbedingt halsbrecherisch über die Loipe schlingern müssen. Ganz auszuschließen ist es dann aber doch nicht ...

    Zugegeben: Anfangs war es eher ein Spazieren als ein Laufen. Mein Freund Dieter, ein Langlaufcrack höchster Güteklasse, hatte mich überredet, endlich einmal auf den langen, dünnen Brettern mein Glück zu versuchen. Auf der flachen Moadörfl-Loipe von Wagrain – ohne anstrengende Anstiege und waghalsige Abfahrten, ideales Terrain für Anfänger wie mich. Zu Beginn war ich ahnungslos, dafür aber voll motiviert. Schon beim Skiverleih war klar, dass wir zusammengehören – mein unbändiger Wille, in den nächsten Tagen endlose Loipenkilometer im klassischen Ziel abzuspulen, und diese dünnen langen Bretter. Ich lerne, was ein Schuppenski ist. Ein Ski, in dessen Belag noppige Rippen eingefräst sind, was den Aufstieg erleichtern soll, den Ski aber sonst wesentlich langsamer macht als andere Modelle. Ein sogenannter Anfängerski. Dankeschön!

    Vom Gehen zum Gleiten

    Unsicher setze ich meine ersten Schritte in die Spur, die Skier scheinen viel zu leicht für meinen schweren Körper. Dieter lehrt mich, Haltung anzunehmen – nämlich die richtige: Weder zu weit vorne noch zu weit hinten dürfe ich auf dem Ski stehen, schließlich ist Langlaufen ein Koordinations- und Gleichgewichtssport. Nur wer das Gewicht richtig verteilt, Stockeinsatz und gleichzeitiges Abstoßen mit dem Fuß gut koordiniert, kommt in die Gleitphase – die eigentliche Triebfeder dieser Art der Fortbewegung. Diesen Flow zu entwickeln, braucht weniger Konzentration als Gefühl. Es ist ein bisschen wie beim Tanzen – erst zählt man den Takt noch mit, doch wirklich gut bewegt man sich erst, wenn der Rhythmus in Fleisch und Blut übergegangen ist. Das Tolle daran: Nach nur wenigen hundert Metern stellt sich dieser Flow ein – ich gehe nicht mehr, ich gleite. Ein befreiendes Gefühl: Die Diagonalschritte werden immer federnder, der Schnee staubt in immer kürzeren Abständen von den Stöcken weg. Langsam stellt sich von den Fuß- bis in die Fingerspitzen ein unvergleichliches Wohlgefühl ein.

    Sterne reißen bei der Abfahrt

    Allerdings: Wir streben – im wahrsten Sinne des Wortes – nach Höherem. Am Nachmittag suchen wir eine Loipe auf, die Aufstiege und Abfahrten zu bieten hat. Auf der Jägerseeloipe in Kleinarl schaffe ich die Aufstiege mit meinem Schuppenski zwar mühelos, doch bei den Abfahrten wird mir das Tempo, das mich anfänglich noch euphorisierte, zum Verhängnis. Vor allem, als ich im Gefälle auf einer vereisten Spur nicht mehr bremsen kann. Mit dem Allerwertesten ziehe ich die Notbremse, liege im Schnee. Beim vergeblichen Versuch, mit den langen Latten aufzustehen, fühle ich mich wie der bedauernswerte Käfer in Kafkas „Verwandlung“.
    Das große Krabbeln hat ein Ende, als ich die Bindung öffne und wieder mit beiden Beinen im Leben, sprich im Schnee, stehe. Applaus ertönt ... Ich drehe mich um und erkenne, dass von einer nahen Terrasse eine gesellige Runde meinem offenbar sehenswerten Sturz höhnischen Beifall zollt. „Einen schönen Stern hast gerissen“, bekomme ich zu hören, was im alpenländischen Jargon wohl die Entsprechung für einen besonders spektakulären Sturz sein dürfte. Ich richte die Krone, sprich Mütze, zurecht, und sehe zu, dass ich Meter gewinne. Furchtbarer Menschenschlag hier.

    Technik und Training machen den Meister

    Dieter weiß einen Trick, um mir in solchen Situationen weitere Schmach zu ersparen. „Einfach einen Ski aus der Spur nehmen und ausstemmen“, sagt er und zeigt mir den Halbpflug – eine elegante Möglichkeit, kontrolliert das Tempo aus der Abfahrt zu nehmen. Dieter zeigt es bei der nächsten Abfahrt vor – und ich komme nach. Oh Wunder, es funktioniert!
    Am Jägersee angekommen, gönnen wir uns eine heiße Tasse Tee und genießen den Ausblick auf den zugefrorenen See. Tief atme ich die klare frische Gebirgsluft ein. Jetzt wird mir klar, dass Langlaufen der Sport ist, nach dem ich immer gesucht habe: eine Bewegung, die den ganzen Körper aktiviert, in Verbindung mit einem großartigen Naturerlebnis, das den grauen Alltag ganz und gar vergessen lässt. 

    Als wir am Rückweg wieder an der Kuppe ankommen, wo ich zuvor besagten Stern gerissen habe, gleite ich mit Doppelstockeinsatz an der Gruppe auf der Terrasse vorbei. Ich nehme die Abfahrt im Halbpflug und biege dann mit beiden Skiern in die Spur der nächsten Kurve. Wieder ertönt Applaus. Ich drehe mich um. Was ist denn jetzt schon wieder? Doch nun bekomme ich ein mehrfaches „Thumbs-up“ zu sehen – wohltuende Anerkennung für meine offenbar einwandfreie Abfahrtshaltung. Eigentlich ein ganz wunderbarer Menschenschlag hier ...

    Martin Betz

    Martin Betz

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    Autor und Regisseur

    Martin Betz, geboren und aufgewachsen in der Steiermark, lebt und arbeitet in Wien. Zwischendurch sucht er aber gern das Weite, bevorzugt in den österreichischen Alpen. Dort ist mitunter auch eine Kamera dabei, denn der umtriebige Wanderer realisiert immer wieder Natur- und Alpin-Dokumentationen für verschiedene TV-Sender im deutschen Sprachraum.

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      Langlaufen in Österreich

      Tausende Eiskristalle glitzern auf der weiten Schneefläche und jeder Atemzug zaubert kleine Dampfwolken in die Luft. Ganz allmählich stellt sich der eigene Rhythmus ein. Langlaufen ist Balsam für Körper und Seele.

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