Sigmund Freud
Vater der Psychoanalyse – zwischen Wiener Alltag, Couch und Kulturgeschichte

2026 feiert Wien den 170. Geburtstag Sigmund Freuds, den Begründer der Tiefenpsychologie – an jenen Orten, an denen sein Denken und Forschen bis heute nachwirken.

Sigmund Freud wurde 1856 in Freiberg in Mähren geboren. Bereits 1859 kam er mit seiner Familie nach Wien, einer Stadt, die sein Denken nachhaltig prägen sollte. Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte er Medizin an der Universität Wien, promovierte 1881 und arbeitete als Arzt im Allgemeinen Krankenhaus Wien.

Ein Studienaufenthalt in Paris bei Jean-Martin Charcot im Jahr 1885 veränderte Freuds Blick auf Krankheit und Psyche. Zurück in Wien ließ er sich als Arzt nieder und begann, neue Wege im Verständnis der menschlichen Psyche zu gehen. Bereits 1882 hatte er sich heimlich mit Martha Bernays verlobt. Da Freud finanziell noch nicht abgesichert war und Martha keine Mitgift hatte, mussten beide mehrere Jahre auf die Hochzeit warten. Die lange Verlobungszeit führte zu einer intensiven Fernbeziehung, die vor allem durch Briefe getragen wurde. Aus dieser Zeit sind über tausend Briefe erhalten geblieben, die Einblick in Freuds persönliche Gedankenwelt geben. Gemeinsam hatten sie sechs Kinder, darunter Anna Freud, die später selbst internationale Anerkennung fand und das Werk ihres Vaters weiterentwickelte.

Fast fünf Jahrzehnte lebte und arbeitete Freud in der Berggasse 19, im 9. Bezirk in Wien. Diese Adresse wurde zum Zentrum seines Denkens. In diesen Räumen entstanden Texte wie „Die Traumdeutung“, veröffentlicht um 1900, die den Traum als Schlüssel zum Unbewussten verstand. Die Couch, auf der seine Patientinnen und Patienten lagen, wurde zum Sinnbild der Psychoanalyse und der Methode der freien Assoziation. Freuds Thesen fanden internationale Aufmerksamkeit, stießen jedoch auch auf Widerstand – insbesondere wegen seiner Betonung der Sexualität als grundlegenden psychischen Trieb. Dennoch fand seine Arbeit Anerkennung: 1902 wurde er zum außerordentlichen Professor und 1919 zum ordentlichen Titularprofessor der Universität Wien ernannt. 1924 machte ihn die Stadt Wien zum Ehrenbürger und 1930 erhielt er den Goethe-Preis der Stadt Frankfurt.

1938 zwang die nationalsozialistische Verfolgung Sigmund Freud zur Emigration nach London. Dort starb er am 23. September 1939. Sein Werk wirkt weit über die Medizin hinaus: Literatur, Kunst, Film und Philosophie greifen bis heute auf die Ideen des Vaters der Psychoanalyse zurück. Die Grundlagen dafür entstanden in Wien – einer Stadt, die Wissenschaft, Alltag und Kultur bis heute auf besondere Weise verbindet.

Sigmund Freud
geboren:06. Mai 1856 in Freiberg (Mähren; heute Příbor, Tschechien)
gestorben:23. September 1939 in London
Geburtsname:Sigismund Schlomo Freud
Beruf:Neurologe, Arzt, Begründer der Psychoanalyse
wichtigstes Werk:Die Traumdeutung

Auf der Bellevuehöhe, im Wienerwald, kam Freud 1895 die entscheidende Idee zur Traumdeutung.

Sigmund Freud in allen Perspektiven

„Die Biographen aber sollen sich plagen, wir wollen's ihnen nicht zu leicht machen. Jeder soll mit seinen Ansichten über die 'Entwicklung des Helden' recht behalten, ich freue mich schon, wie die sich irren werden.“

Brief an seine Frau Martha Bernays

Auf Freuds Spuren in Österreich

Originalorte der Psychoanalyse

Sigmund Freud Museum Wien

Ein Klingelschild, ein Stiegenhaus, eine Tür: Im Freud Museum Wien beginnt der Besuch dort, wo Sigmund Freud Gäste empfing. In der Berggasse 19 lebte Sigmund Freud fast ein halbes Jahrhundert – hier dachte, arbeitete und schrieb er. Die original erhaltenen Räume öffnen heute den Blick auf einen Alltag zwischen Familie, Forschung und Stadtleben. Seit der Renovierung im Jahr 2020 sind erstmals alle Bereiche zugänglich, vom Wartezimmer bis zu den privaten Wohnräumen. Fotografien, Objekte und persönliche Spuren erzählen von Leben und Arbeit des Vaters der Psychoanalyse – und von der Entstehung seiner Ideen zur Traumdeutung. Auch ohne die originale Couch, die sich heute in London befindet, bleibt Freuds Arbeitswelt präsent – per Smartphone lässt sie sich mittels Augmented Reality virtuell an ihren ursprünglichen Platz zurückholen.

Ergänzt wird das Museum durch Europas größte Psychoanalyse-Bibliothek, ein Forschungsinstitut sowie wechselnde Sonderausstellungen und zeitgenössische Kunst im Schauraum.

Freud und die Wiener Kaffeehauskultur

Nach elfstündigen Analysen ging Sigmund Freud ins Kaffeehaus. Im Café Landtmann traf er Patient:innen wie Anna von Lieben, spielte Tarock und ließ Gedanken fließen – ein intellektuelles Netzwerk Wiens um 1900.

Fun Facts: Der Mensch hinter der Psychoanalyse

Nicht alles an Sigmund Freud passt in Lehrbücher: Fun Facts erzählen von ungewöhnlichen Episoden, persönlichen Vorlieben und biografischen Details, die zeigen, wie vielschichtig der Vater der Psychoanalyse wirklich war.

Freuds Couch: Ursprung der freien Assoziation

Ein Geschenk, das Geschichte schrieb: Um 1890 erhielt Sigmund Freud in Wien die Couch von seiner Patientin Madame Bevenisti. In seiner Praxis in der Berggasse 19 wurde sie zum Herzstück seiner Arbeit. Während die Patient:innen lagen und erzählten, entwickelte Freud die Methode der freien Assoziation – ein Grundpfeiler der Psychoanalyse. Die Couch reiste 1938 mit ihm nach London und steht dort heute im Freud Museum. In Wien lebt sie digital weiter: als virtuelle Rekonstruktion.

Freuds Zigarren: zwischen Sucht und Selbstkontrolle

Die Zigarre gehörte für Sigmund Freud zum Alltag wie Denken und Schreiben. Er begann in seinen Zwanzigern und rauchte später oft mehr als 20 Stück täglich – ein Ritual, das ihm Ruhe, Konzentration und Kontrolle gab. Freud sprach offen über seine Abhängigkeit und verband das Rauchen mit schöpferischer Kraft. Trotz schwerer Erkrankung der Mundhöhle hielt er daran fest. Die Zigarre wurde Teil seiner Identität: Ausdruck eines Lebens zwischen geistiger Disziplin, Genuss und Widerstand gegen ärztliche Verbote.

Freuds Tabubruch: Triebe und die Psychoanalyse

Als Freud begann, über Sexualität und das Unbewusste zu sprechen, brach er bewusst zentrale gesellschaftliche Tabus. Er machte Sexualität von Geburt an zum Kern der Entwicklung und stellte damit die Moralvorstellungen seiner Zeit infrage. Konzepte wie Ödipuskomplex, Inzestwünsche und verdrängte Triebe stießen auf heftigen Widerstand. Selbst als C. G. Jung vorschlug, die Libido harmloser zu deuten, blieb Freud standhaft. In „Totem und Tabu“ erklärte er Tabus als Triebkräfte von Kultur und Moral. Für Freud war klar: Wer den Menschen verstehen will, darf seine dunklen Seiten nicht ausklammern.

Freuds Kokainforschung: Neugier, Risiko und Aufbruch

Neugier trieb Sigmund Freud in den 1880er-Jahren zur Erforschung von Kokain. Als junger Arzt in Wien erforschte er im Selbstversuch und an Patient:innen die Wirkung des Alkaloids. In seiner Schrift „Über Coca“ (1884) pries er Kokain als Mittel gegen Erschöpfung, Depressionen und Morphinsucht. Doch Nebenwirkungen, Abhängigkeit und der Tod eines engen Kollegen führten zur Ernüchterung. Freud sprach später von „Jugendsünden“ – und wandte sich endgültig der Erforschung der Psyche zu.

Freuds Freundschaften: zwischen Analyse und Austausch

Freud pflegte enge Freundschaften mit Schriftsteller:innen, Künstler:innen und Intellektuellen seiner Zeit. Besonders prägend war die jahrzehntelange Freundschaft mit Stefan Zweig, mit dem er über Literatur, Psychologie und Zeitfragen korrespondierte und der später die Grabrede hielt. Auch Arthur Schnitzler, Thomas Mann, Hermann Hesse und Romain Rolland standen mit Freud im Austausch. Eine besondere, wenn auch kurze Begegnung war jene mit Gustav Mahler im Jahr 1910. Freud bewunderte Rembrandt wegen dessen psychologischer Tiefe und traf 1938 in London Salvador Dalí, dessen Technik er schätzte.

Freuds Tochter: Anna Freud und das Erbe ihres Vaters

Anna Freud (1895–1982) war die jüngste Tochter von Sigmund Freud – und wurde im selben Jahr wie die Psychoanalyse geboren: Für Sigmund Freud war Anna Freud mehr als seine Tochter. Er sah in ihr seine Nachfolgerin. In Wien lernte sie bei ihm, wurde von ihm analysiert und fand ihren eigenen Weg in der Kinderpsychoanalyse. Gemeinsam gründeten sie die Vereinigung der Wiener Psychoanalytischen. Nach der Emigration 1938 pflegte sie ihn in London während seiner Krebserkrankung. Anna Freud bewahrte und entwickelte das Werk ihres Vaters weiter und gilt als Pionierin der modernen Kinderanalyse.

FAQs

Das Sigmund-Freud-Museum befindet sich in der Berggasse 19 im 9. Bezirk von Wien. In diesem Haus lebte und arbeitete Sigmund Freud fast 50 Jahre lang und entwickelte hier die Psychoanalyse.

Zu den berühmtesten Werken, die Sigmund Freud in Wien schrieb, zählen

  • „Die Traumdeutung“ (1900),

  • „Zur Psychopathologie des Alltagslebens“ (1901),

  • „Totem und Tabu“ (1910–1913) sowie

  • „Das Ich und das Es“ (1923).

Viele dieser Schriften entstanden in der Berggasse 19, wo Freud lebte und die Psychoanalyse entwickelte.

Freuds Couch ist berühmt, weil Sigmund Freud sie als zentrales Arbeitsinstrument der Psychoanalyse nutzte. Geschenkt wurde sie ihm um 1890 von einer Patientin, Madame Bevenisti. In seiner Wiener Praxis ermöglichte sie die Methode der freien Assoziation und wurde zum weltweiten Symbol der Psychoanalyse.

Sigmund Freud war Stammgast in Kaffeehäusern wie dem Café Landtmann und dem Café Central. Sie galten als Treffpunkte für Intellektuelle und dienten Freud als Orte der Erholung, an denen er Tarock spielte und Zigarren rauchte.

Sigmund Freud lebte 47 Jahre in Wien. Von 1891 bis 1938 wohnte und arbeitete er in der Berggasse 19, wo er den Großteil seines Lebens verbrachte, bevor er vor den Nationalsozialisten nach London fliehen musste.

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