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    • Hotel Gasthof Hirschen, Bregenzerwald Umgang / Bregenzerwald
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    Aufwachsen im Schindel-Paradies Schwarzenberg

    Peter Fetz ist ein waschechter Schwarzenberger Bub. Er wuchs im Bregenzerwald auf, studierte Tourismus-Management in Wien, und arbeitete in Paris, London und Wien. Aber dann vermisste er doch die geliebten Berge - und diese spezielle Wertschätzung von Natur und Holz.

    Peter Fetz im Gespräch

    2017 übernahm er von seinem Vater die Leitung des Hauses und führt jetzt in zehnter Generation das Hotel Hirschen in Schwarzenberg – ein Prachtstück lokaler Holzbaukunst mit Schindeln.

    Als Kind fand ich es ganz normal, dass man Häuser aus Holz baut.
    Peter Fetz
    austria.info: Sie sind ja in Schwarzenberg aufgewachsen, was sind für Sie die schönsten Kindheitserinnerungen aus diesem idyllischen Ort?
    Peter: Am Dorfplatz rund um die Kirche waren wir zehn Kinder im gleichen Alter, und wir zogen wie die ärgste Rasselbande durch die Gegend. Mutter erzählt leidenschaftlich gerne vom mysteriösen Schwund des Apfelstrudels: Denn ich habe am Nachmittag immer alle heimlich zum Apfelstrudel eingeladen, den wir eigentlich für die Gäste gebraucht hätten (lacht).
    austria.info: Warum sind Sie aus der weiten Welt in die Heimat nach Schwarzenberg zurückgekehrt? Was hat sie wieder in den Bregenzerwald gezogen?
    Peter: Ich wollte eigentlich immer Hotelier werden, schon seit ich Vier bin. Das Spannende an diesem Beruf ist, dass er so unglaublich vielseitig ist. Ein Hotelier macht alles: Marketing, Gäste Service, Umbauen, Kochen und vieles mehr. Der Hirschen ist natürlich etwas Besonderes, mit seiner alten Geschichte und speziellen Holzbauarchitektur. Und außerdem ist es seit so langer Zeit das Haus meiner Familie. Es war von Anfang an klar für mich, dass ich nach meinem Studium wieder hierher zurückkehre. Außerdem liebe ich die Berge. Die tun mir einfach gut. Die geben einem Abstand. Ich bin Trail Runner, das macht mir sehr viel Freude im Sommer. Im Winter gehe ich gerne auf Skitouren. Denn das Vielschichtige an diesem Beruf ist natürlich auch sehr auslaugend. Und ich merke einfach: Wenn man da oben ist, wirken die Probleme, die Herausforderungen, nur halb so groß. Das ist ein schöner Effekt.
    austria.info: Welches sind ihre Lieblingsplätze in Schwarzenberg? Was haben Sie vermisst?
    Peter: In Schwarzenberg genieße ich grundsätzlich, dass alles in Gehweite ist. Wenn man in großen Städten gelebt hat, dann ist das ein großer Qualitätszugewinn. Ich liebe auch die Bregenzer Ache, der Fluss, der durch Schwarzenberg fließt. Von Ende März bis Ende Oktober gehe ich da fast täglich baden. Außerdem haben wir das große Glück, dass es hier recht viel Gastronomie gibt, trotz der Kleinheit des Ortes. Café Angelikahöhe ist zum Beispiel perfekt, um am Nachmittag einen ausgezeichneten Kaffee in der Sonne zu trinken. Der Berghof Fetz am Bödele hat die schönste Sonnenterrasse weit und breit. Alles gute Anlaufstationen, wenn man nicht im eigenen Haus sitzen mag.
    austria.info: Der Bregenzerwald ist ja berühmt für seine Holzbaukunst. Was bedeutet die lokale Holztradition für Sie? Wie spiegeln sich die handwerklichen Holz-Traditionen im Hirschen wieder?
    Peter: Als Kind fand ich das ganz normal, dass man Häuser aus Holz baut. Heute verstehe ich, dass sie nicht nur das Ortsbild von Schwarzenberg prägen, sondern auch viele Teile Vorarlbergs. Sowohl die alte Holzbauform als auch die moderne: Dieses Nebeneinander, diese hohe architektonische Qualität ist halt wirklich kitschig schön hier. Stefan Sagmeister (Anm. Vorarlberger Grafikdesigner und Typograf, der heute in New York City lebt) hat eines seiner Sabbaticals zum Teil in Schwarzenberg verbracht. Von ihm stammt die Erkenntnis: „If you live in a place that lacks beauty, you become an asshole.“ Das finde ich sehr inspirierend. Das Schöne ist, es herrscht hier ein Selbstverständnis, dass man in Holz baut. Deshalb gibt es hier so viel Knowhow. Es hat jeder Elektriker, jeder Tischler, jeder Zimmermann ein gutes Gespür für schöne Dinge. Und all diese Puzzleteile ergeben ein Ökosystem, das dem Guten und Schönen Raum gibt.
    austria.info: Und die Schindel-Fassade, stammt die noch aus dem Jahre 1755? Welche Pflege braucht sie?
    Peter: Mein Vater sagt immer, im Hirschen sind eine Million Schindeln verbaut (lacht). Ich glaube, es sind ein bisschen weniger, aber hunderttausende sind es schon. Die Schindel-Fassade ist teuer, hat aber großartige Temperaturwerte, ist extrem langlebig und altert wunderschön. Es gibt diesem ganzen Tal einen ganz speziellen Charakter. Die Schindeln halten 50, 60, 70 Jahre. Man schindelt ja selten alles neu, meistens bessert man einzelne aus. Unsere sind gemalt, damit sie nicht wie frisches Holz aussehen, das hilft gegen die Witterung. Ich glaube nicht, dass es noch Schindeln von 1755 gibt, aber die Balken dahinter schon. Die Pflege ist natürlich aufwändig. Aber das ist es absolut wert.
    austria.info: Der Hirschen ist ja schon beachtliche 265 Jahre alt – was steckt hinter diesem Hotel?
    Peter: Nach einem Dorfbrand in Schwarzenberg in 1755 wurden diese neuen herrschaftliche Häuser mit Schindeln gebaut. Seit damals schon war der Hirschen immer ein Wirtshaus. Zu gewissen Zeiten sogar von internationalem Renommee: da stieg der bayerische König Max bei uns ab. Ich bin jetzt in meiner Familie die zehnte Generation als Hirschen-Wirt. Hier gibt es ein Arsenal an Geschichten! Wir haben zum Beispiel vor nicht allzu langer Zeit das Zimmer Nummer 7 – das ist die König Max Suite – renoviert. Beim Schleifen der Decke unter sieben Schichten Farbe sind wir auf ein vollflächiges Deckengemälde gestoßen, das 1812 gemalt wurde. Das sind Dinge, die man halt in einem neuen Hotel nie erleben kann.
    austria.info: Welche wichtigen Persönlichkeiten des Weltgeschehens sind bei Ihnen schon abgestiegen?
    Peter: Zu den Top VIPs zählen der König Max von Bayern und der Sachsen-König. Der deutsche Dichter Eduard Mörike hat seinen Hochzeitsurlaub bei uns verbracht. Die Familie der klassizistischen Malerin, Angelika Kauffmann, stammt ja aus Schwarzenberg - mein sechsfacher Urgroßvater war ihr Bankier. Wir besitzen immer noch die ganzen Briefe. Was die neuere Zeit betrifft, bin ich ein bisschen diskreter. Aber wofür man den Hirschen wirklich rühmen kann: Er zieht seit jeher ein interessantes Klientel an. Damit meine ich nicht, dass die Leute berühmt sind, es sind einfach spannende Menschen. Das ist mein Privileg als Wirt, dass ich hier wohnen und arbeiten darf und ständig im Austausch mit interessanten Menschen bin.

    Erlebnis-Tipps in Schwarzenberg von Peter Fetz

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    Schindeln im Bregenzerwald

    • Schindeln wurden seit jeher für das traditionelle Bregenzerwald-Haus als ressourcenschonende, langlebige und wetterschützende Bautechnik eingesetzt.
    • Eine Schindel wird aus lokalen Tannen oder Fichten in eine kleine, dünne Holzplatte zum Decken von Dächern oder Verkleiden von Mauern angefertigt.
    • Schindeln sind 50 - 70 Jahre haltbar, wenn sie weder lackiert noch bemalt wurden.
    • Noch heute werden Schindeln mit der Hand angefertigt und beruhen auf ein jahrhundertealtes Holzhandwerk.
    • Schindeln sind auch heute bei Holzhäusern im Einsatz, sogar innen bei Stiegenaufgängen, Dachschrägen und Badezimmern.
    Hier geht's zum Podcast: Schindel - das Goretex der Architektur
    Holzschindeln, typisch für den Bregenzerwald
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    Wissenswertes über das Hotel Hirschen

    • Schwarzenberg Dorfansicht Kirche, Gasthof Hirschen und Kirche
    • Hotel Gasthof Hirschen, Bregenzerwald Umgang
    • Hotel Gasthof Hirschen: Unterhaltungsabend
    • Restaurant im Hotel Hirschen in Vorarlberg
    • Gastraum vom Hotel Gasthof Hirschen in Schwarzenberg
    • Wellness
    • Bar im Hotel Hirschen in Schwarzenberg
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