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    • Salzkammergut Bad Ischl - Lehar Villa / Lehar Villa
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    Bauen (fast) wie ein Kaiser

    Bad Ischl ist die heimliche Hauptstadt des Salzkammerguts und so etwas wie der Geburtsort der Sommerfrische. Denn mit dem urlaubenden Kaiser kamen auch alle anderen, und weil viele bald Sommer für Sommer anreisten, ließen sie sich irgendwann fabelhafte Villen bauen. Diese Bauten prägen das Bild der Stadt bis heute.

    Bevor das Salzkammergut zum Salzkammergut wurde, also: Bevor die Region von Herrschern und Adel als Sommerfrische entdeckt wurde (und anschließend auch von anderen erholungsbedürftigen Großstädtern) - bevor das geschah, standen hier Häuser wie überall in den Alpen. Sie waren bescheiden und hatten starke Mauern, sie duckten sich vor Wind und Wetter, ihre Dächer waren steil wegen des Schnees und die Fenster klein wegen der Kälte. Dann aber kamen die Fremden, die nur den warmen Sommer über blieben. Sie ließen sich Villen mit Balkonen und großen Fenstern bauen, Zuckerbäckerschlösschen und Stadthäuser, wie sie sonst bloß am Meer standen. 

    „Bei einem Spaziergang durch Bad Ischl kann man bis heute von Villa zu Villa schlendern."

    Die Historikerin Marie-Theres Arnborn in der Kaiservilla - Bad Ischl , Salzkammergut / Kaiservilla Bad Ischl
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    Marie-Theres Arnborn (Autorin, Historikerin, Kuratorin)

    Zur Villa Herzfeld in der Wiesingerstraße zum Beispiel, die einst dem ungarischen Adligen Ladislaus Dirsztay gehörte. Weiter zur extravaganten Villa Landauer, die der Bankier Adolf Landauer der kaiserlichen Familie abgekauft hatte. Und zur berühmten Villa Seilern natürlich, in der Elise Reichsgräfin von Seilern und Aspang Hof hielt und Gäste wie der Schauspieler Alexander Girardi und Johann Strauss für die passende Abendunterhaltung sorgten. Künstler für Theater und Konzerte gab es übrigens viele in Ischl. Auch sie sommerfrischten im Salzkammergut und suchten Inspiration in Bergluft und Natur.

    Porträt von Kaiser Franz Joseph - Kaiservilla Bad Ischl, Salzkammergut / Kaiservilla Bad Ischl
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    Wie das alles begonnen hat?

    Mit dem Kaiser hat alles begonnen. Seine Eltern waren lange kinderlos geblieben, bis sie zur Kur nach Ischl reisten, zum Baden im heilenden Solewasser. Bald darauf wurde Franz Joseph geboren, und weil er dieses Ischl damit sozusagen im Blut hatte, würde er hier dreiundachtzig seiner sechsundachtzig Sommer verbringen.

    Und natürlich reiste ein Kaiser niemals allein. Je länger Franz Joseph regierte, desto größer wurde die Zahl jener, die ihn in die Sommerfrische begleiteten. Ab einem gewissen Zeitpunkt machte sich halb Wien im Sommer auf den Weg. „Mir ist in Ischl immer, als ob die Berge ringsum nur eine Art Decoration wären, die man auf die Wiener Ringstraße gestellt hat“, stellte der Satiriker kaiservilla inenn fest. Da war aus dem kleinen Ischl längst ein kaiserliches Kurbad geworden.

    Blick vom Katrinberg auf Bad Ischl / Katrin Seilbahn
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    Vielleicht verließ der Kaiser genau deshalb schon frühmorgens die Stadt, so oft es ihm sein Kaisersein erlaubte. Franz Joseph scheint Ischl vor allem für das geliebt zu haben, was er außerhalb von Ischl vorfand. Am liebsten war er in den Bergen unterwegs und genoss die Stunden, in denen – endlich! – einmal niemand etwas von ihm wollte. Dass an den Wänden der Kaiservilla über tausend Geweihe hängen, hat weniger mit der Lust am Abschuss zu tun. Viel mehr wohl mit der Möglichkeit von Freiheit, die jeder Jagdausflug für ihn bedeutete.

    Die Kaiservilla in der Stadt ist ein Gebäude, das in vielen anderen Ländern durchaus als Palast durchgehen würde. Die Einrichtung ist überraschend wohnlich, man hat den Eindruck, die Bewohner der Räume seien am frühen Morgen erst zu einem Ausflug aufgebrochen und kämen demnächst zurück. Auch der Schreibtisch im Arbeitszimmer wirkt, als habe noch am Abend jemand an ihm gearbeitet. Hier verfasste der Kaiser einst das Manifest „An meine Völker!“, mit dem er Serbien einen Krieg erklärte, der zur europäischen Katastrophe werden sollte.

    „In Ischl habe ich immer die besten Ideen.“

    Salzkammergut Bad Ischl - Lehar Villa / Lehar Villa
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    Franz Lehár, Komponist

    Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Doppelmonarchie veränderte sich Ischl, das seit 1906 Bad Ischl hieß. Jetzt kamen vor allem Künstler. „In Ischl habe ich immer die besten Ideen“ schrieb Franz Lehár, der sich seine Villa an der Traun bereits 1912 gekauft hatte. „Der Zarewitsch“, „Paganini“ und „Das Land des Lächelns“ entstanden vor der Kulisse des rauschenden Flusses.

    Und etwas außerhalb hatte sich der Berliner Kunstkritiker Oscar Blumenthal eine Villa auf die grüne Wiese gesetzt, die aussah wie ein Hybrid aus Karpatenspukschloss und nordischer Stabkirche. Blumenthal hatte das Fertigteilhaus auf der Weltausstellung in Chicago gesehen, gekauft und nach Europa verschiffen lassen. In seiner Villa wurde der Kritiker dann selbst zum Künstler und schrieb das Lustspiel „Im Weißen Rössl“ – so hieß ein Gasthaus in der Nähe, dessen Wirtin es ihm angetan hatte. In der späteren – und berühmten – Fassung wurde das Weiße Rößl dann leider an den Wolfgangsee versetzt. Sonst wäre Bad Ischl noch ein wenig berühmter geworden.

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