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    • Auf der Suche nach dem Winterlicht - Eisschwimmen in der Region Altenmarkt-Zauchensee / Altenmarkt-Zauchensee
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    Ice, ice, Eisbaden - Nichts für Warmduscher

    Im Winter in einen gefrorenen See zu springen, mag für viele irrwitzig klingen. Für die Kalifornierin, Patricia Schumacher, ist es allerdings das perfekte Mittel gegen den Winterblues. Wir haben mit ihr und dem Wasserretter Hansjörg Ransmayr über das Eisbaden gesprochen.

    Kälte mit Kälte bekämpfen

    Die Landschaft ist mit einer weißen Schneedecke überzogen, am Horizont ragen die Berge wie eine Krone in den klaren Himmel. Vor uns der Zauchensee, der durch die dicke Eisschicht fast nicht zu erkennen ist. Das dunkle Nass lässt sich nur durch ein kleines Loch erkennen, das mit einer Säge herausgeschnitten wurde und auf das nun Patricia Schumachers konzentrierter Blick gerichtet ist. Die gebürtige Kalifornierin holt tief Luft und geht mit langsamen Schritten ins Wasser. Hier auf 1.350 Metern Seehöhe liegt die Wassertemperatur im März nur knapp über dem Gefrierpunkt. Wie sich das anfühlt? „Am Anfang ist es wie ein Schock. Es fühlt sich an, als würde der Körper brennen oder so als könnte man nicht atmen.”, erzählt Patricia. Warum tut sie sich das dann überhaupt an?

    • Nach dem Umzug nach Linz musste sich Patricia – ein wahres Sommerkind – erst an die kalten Winter in Österreich gewöhnen. Kaum zu glauben, dass der sonnenverwöhnten Kalifornierin ausgerechnet das Eisbaden dabei helfen würde. Was zunächst komisch klingt, ist schlussendlich doch einleuchtend: Die kalte Jahreszeit habe ihr anfangs ganz schön zugesetzt, bis sich Patricia dazu entschlossen hat, dem aktiv entgegenzuwirken. Die direkte Konfrontation ihres Körpers mit der Kälte habe es ihr erlaubt, über ihre Ängste und ihre Komfortzone hinauszuwachsen. „Hatte ich einmal damit begonnen, hat sich meine Einstellung, mein Gemütszustand, meine ganze Sichtweise zum Winter komplett verändert. Es hat mir geholfen, die kalte Jahreszeit zu lieben und ihre Schönheit zu erkennen.“

    • Inspiriert durch ihren Mann, der das Eisbaden schon für sich entdeckt hatte, fing Patricia langsam mit kalten Duschen an. Heute taucht sie auch im Winter regelmäßig in die Donau oder den Ausee bei Linz. „Ich habe bemerkt, dass es mir mehr Energie gibt. Durch das kalte Wasser werden Endorphine und Glückshormone im Körper ausgeschüttet. Meine Stimmung hat sich dadurch verbessert und stabilisiert.” Nach ihrem ersten Eisbad hatte Patricia so viel neugewonnene Energie, dass sie kaum einschlafen konnte.

      Wenn man ihr so zuhört, scheint das Eisbaden wie eine Art extreme Meditation. Der Fokus liegt laut Patricia ganz auf dem Moment und der Atmung, die langsam und tief ist. „Du musst loslassen und bist voll und ganz im Hier und Jetzt.“

    „Ich habe bemerkt, dass es mir mehr Energie gibt. Durch das kalte Wasser werden Endorphine und Glückshormone im Körper ausgeschüttet. Meine Stimmung hat sich dadurch verbessert und stabilisiert.”

    Auf der Suche nach dem Winterlicht - Winterspaziergang in der Region Altenmarkt-Zauchensee / Altenmarkt-Zauchensee
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    Patricia Schumacher

    The next big thing

    Eisbaden (oder auch Kaltwasserimmersion genannt) scheint immer mehr Anhänger*innen zu finden. Vielleicht liegt es am niederländischen Kälteguru und Iceman, Wim Hof, der uns in Gwyneth Paltrow’s Netflixserie „The Goop Lap“ die Vorteile des kalten Wassers demonstriert. Vielleicht liegt es auch einfach an der Sehnsucht nach dem Gefühl von Freiheit und der Verbundenheit zur Natur.

    Der Salzburger Hansjörg Ransmayr ist nicht nur Wasserretter, sondern auch selbst leidenschaftlicher Winterschwimmer und hält Eisbaden für „the next big thing“. Besonders seit Beginn von Corona erlebt er einen Anstieg an Wagemutigen, die es vor allem wegen der Stärkung der Widerstandskräfte in die kalten Fluten zieht.

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    Aber tut uns Eisbaden wirklich gut?

    Das Eisbaden ist jedoch kein ein neuer Trend. Bereits Hippokrates glaubte an die positiven Effekte des kalten Wassers. Auch in Kurhäusern werden Kaltwasseranwendungen nach Kneipp schon lange als Therapie eingesetzt. Und selbst unsere Großmütter wussten schon von der Straffung des Bindegewebes durch kalte Duschen.

    Ob Hippokrates oder unsere Omas – alle hatten sie recht. Auch Hansjörg Ransmayr bestätigt die Vielzahl an positiven Effekten für Körper und Geist: Das Eintauchen in Wasser um den Gefrierpunkt wirkt sich positiv auf unser Herz-Kreislauf-System aus, fördert unsere Immunabwehr, kann akute Schmerzen bei Rheumatismus und anderen Gelenkschmerzen verringern und bekämpft Depressionen. Das Eisbaden löst die Freisetzung von Adrenalin und dem Glückshormon Dopamin aus sowie entzündungshemmenden Kortikoiden zur Regeneration.

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    Hochleistungssportler*innen steigen deshalb schon seit einiger Zeit nach dem Training in “Eistonnen”. Forscher*innen an der Cambridge University haben kürzlich sogar einen Zusammenhang zwischen dem Kaltwasserschock und einem Protein entdeckt, dass vor degenerativen Erkrankungen wie Demenz schützen könnte.

    Auch bei Schlafstörungen soll es angeblich nichts Besseres geben, als sich lange im kalten Wasser aufzuhalten. “Das ist wie bei einem Tee”, erklärt Hansjörg: “Wenn ich mich kurz unter die kalte Dusche stelle, werde ich munter. Wenn ich mich länger im kalten Wasser aufhalte, wird der Körper unheimlich müde, weil der Stoffwechsel hochgefahren wird. Anschließend kann man ausgezeichnet schlafen“.

    Hansjörg beobachtet auch, dass das Baden in kaltem Wasser besonders bei Frauen, die unter Regelbeschwerden oder dem Wechsel leiden, beliebt ist. Es helfe ihnen dabei, sich und ihren Körper wieder besser zu spüren.

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    Wie uns auch Patricia bestätigt hat, trainiert man durch das Eisbaden auch die mentale Stärke, Willenskraft und das Selbstbewusstsein. Wer es schafft, ins kalte Wasser zu steigen, der überwindet seine eigenen Grenzen: Die Furcht vor der Kälte sei reine Kopfsache. Manche Menschen, die diesen kleinen Sieg bereits für sich verzeichnen konnten, nennen ihn auch liebevoll "Himalaya-Gefühl für Unsportliche".

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    Patricia’s und Hansjörg’s Eisbadeplätze in Österreich

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    Nicht ohne Vorsicht

    Wer sich nun schon in die Badehosen geworfen hat und motiviert zum nächsten zugefrorenen See aufbrechen will, dem sollte eines klar sein: Eisbaden ist mit Vorsicht zu genießen. Immerhin birgt es neben den wohltuenden Effekten auch hohe gesundheitliche Risiken und kann im schlimmsten Fall zum Tod durch Hypothermie oder Ertrinken führen. Am besten lässt man sich vorab von seinem Arzt oder seiner Ärztin beraten, besonders, wenn man unter Asthma, hohem Blutdruck oder einem Herzproblem leidet.

    Auf das erste Eisbad sollte man sich prinzipiell langsam vorbereiten. Im Sommer oder Herbst zu starten und in die Saison “hineinzuschwimmen”, empfiehlt Hansjörg Ransmayr. Wer dann schon mehr Übung hat, kann es Patricia nachtun und sich bei der Bergsee.Schwimmen Challenge im Zauchensee beweisen. Als Belohnung winken eine Urkunde und das Gefühl, als wäre man neugeboren, wie es Patricia so schön beschreibt.

    „Kaltwasserexposition ist die beste Therapie gegen den Winterblues.“

    Eisbaden Almsee, Filzmoos / Filzmoos
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    Hansjörg Ransmayr

    Vom Warmduscher zum Kältebezwinger – Hansjörg’s Tipps und worauf man achten sollte:

    • In langsamen Schritten an das Eiswasser gewöhnen. Am besten mit kalten Duschen, bei denen man die Dauer immer weiter erhöht.
    • In freien Gewässern im Sommer oder Herbst beginnen, wenn das Wasser noch wärmer ist.
    • Gerade am Anfang niemals alleine baden gehen – immer mit einem Buddy. Oft gibt es lokale Gruppen, die sich regelmäßig treffen. So verbindet man das Hobby mit einem sozialen Ereignis.
    • Niemals ins kalte Wasser springen, sondern zuerst die Hände eintauchen und das Gesicht befeuchten - mit dem Ausatmen dann langsam ins Wasser gehen.
    • Mit einer Schwimmboje baden, an der man sich im Notfall festhalten kann.
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    • Atemübungen helfen zur Ruhe zu finden, auch im kalten Wasser.
    • Nicht länger als ein paar Minuten im Wasser bleiben.
    • Vor und nach dem Schwimmen unbedingt warm halten: Schnell abtrocknen und warme Kleidung anziehen, denn der Körper kühlt auch außerhalb des Wassers weiter ab.
    • Keine Turnübungen zur Aufwärmung nach dem Eisbad, da dies den Kreislauf überlasten und zu gefährlichen Schockzuständen führen kann.
    • Alkohol oder Koffein vermeiden. Diese erweitern die Gefäße und lassen einen auskühlen. Lieber zu heißem Ingwertee greifen, dieser wärmt besonders gut von innen.
    Auf der Suche nach dem Winterlicht - gemütliche Hütte in der Region Altenmarkt-Zauchensee / Altenmarkt-Zauchensee
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      Patricia Schumacher

      Patricia zog es der Liebe wegen von Kalifornien nach Österreich, wo sie besonders die Natur schätzt, aus der sie auch Inspiration für ihre beiden Berufe als Köchin und Sängerin schöpft.

      Mehr über Patricia erfahren
    •                 Eisbaden Zauchensee / Altenmarkt Zauchensee
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      Hansjörg Ransmayr

      Hansjörg Ransmayr ist wortwörtlich mit allen Wassern gewaschen. Er ist Wasserretter, Autor des Buches „Wild Swimming Alpen“ und organisiert zahlreiche touristische Schwimmprojekte.

      Mehr über Hansjörg erfahren

    Autorin: Hannah Zajic

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