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    • Salzkammergut Altaussee / Altaussee
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    Der Altausseer See, das Tintenfass der Literaten

    Am Ufer des Altausseer Sees sind Regale voller Bücher geschrieben worden. Warum bloß?

    Vielleicht liegt es ja tatsächlich am Wasser, oder an diesem Panorama hinüber zum anderen Ende des Sees. Möglicherweise hat es mit der Luft zu tun oder mit der Stille oder am Ende ja doch irgendwie mit den Bergen. Würde einen ja auch nicht wundern, ist ja schließlich Österreich. Alfred Komarek sitzt auf der Bank im Garten seines Elternhauses und schaut lächelnd hinaus ins Gras, von dem er zuvor gesagt hatte, dass er es längst hätte mähen lassen müssen, wenn er bloß nicht zu viel um die Ohren hätte in diesem Sommer.

    Er wisse es nicht wirklich, sagt er nun nach einer Weile, er habe zwar eine Vermutung, aber solche Fragen könne man ja schlecht wissenschaftlich untersuchen. Warum schreiben so viele am Altausseer See? Warum fühlen sich Autoren und Literaten hier so inspiriert? Was hat diese Ecke des Salzkammerguts, das man anderswo nicht findet?

    Salzkammergut Altaussee / Altausseer See
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    Also, dann wollen wir mal: Kaum eine andere Ecke in Österreich hat so viele Menschen zum Schreiben inspiriert wie Altaussee, wo es für all diese Menschen sogar ein Literaturmuseum gibt. Hugo von Hofmannsthal kam bereits 1892 zur Sommerfrische und verewigte den Ort in seiner Erzählung „Das Dorf im Gebirge“. Es folgten Egon Friedell, Manès Sperber, Carl Zuckmayer und Friedrich Torberg. Arthur Schnitzler schaute vorbei, und Theodor Herzl, der damals noch fürs Burgtheater in Wien schrieb (und später den Zionismus begründete). Jakob Wassermann beschloss, gleich ganz zu bleiben und eine Villa zu beziehen, unten an der Uferpromenade.

    Der See sei ein riesiges Tintenfass, in dem die Autoren ihre Federkiele tauchten, hieß es schon früh. Und als wollte der kleine Altausseer See der großen Welt zeigen, dass er auch selbst ein Wörtchen mitzureden habe im Aufgallopp der literarischen Größen, kam Barbara Frischmuth hier zur Welt. Klaus Maria Brandauer übrigens auch. Beide waren rund um den Globus unterwegs. Beide sind längst zurück gekehrt.

    „Es ist eine Landschaft, die einen umfängt, aber niemals einsperrt. Kreative Menschen finden das reizvoll. Das beflügelt sie. Das bringt sie auf Ideen.“

    Der Schrifsteller Alfred Komarek in Altaussee, Salzkammergut / Altaussee
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    Alfred Komarek
    Salzkammergut Altaussee / Altaussee
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    Wahrscheinlich habe es tatsächlich mit der Landschaft zu tun, meint Alfred Komarek. Mit dieser göttlichen Inszenierung, mit dem Wechsel von Idylle und Dramatik, wie in einer Symphonie mute die Gegend rund um Altaussee an. „Es ist eine Landschaft, die einen umfängt, aber niemals einsperrt. Kreative Menschen finden das reizvoll. Das beflügelt sie. Das bringt sie auf Ideen.“

    Man müsse nur einmal ein Runde um den See spazieren, wie eine Meditiation sei das, meint er. Und dann stelle man sich das Land in einer mondlosen, vollkommen stillen Sommernacht vor! „Da sitzen sie auf einem der eiszeitlichen Felsen an der Seewiese, der Himmel ist dunkel, die Flanken der Bergen sind noch dunkler, und der See ist schwarz wie besagte Tinte – in solchen Nächten können die schönsten Geschichten aufsteigen.“ Man müsse bloß Ohren haben, um sie auch zu hören. Und eben das Talent, sie aufzuschreiben.

    Wo wir gerade bei den Bergen sind: Anderswo in Österreich mögen sie höher und mächtiger sein, an Altaussee aber prägen sie eine Landschaft von beinaher surrealer Schönheit. Und vielleicht ist es ja auch so, dass der Mensch hier einfach derart überwältigt ist, dass er gar nicht anders kann, als mit dem Schreiben zu beginnen – irgendwie muss er all die Eindrücke ja schließlich verarbeiten.

    Alfred Komarek lächelt, als er diese Theorie hört. Sitzt auf der Bank im Garten seines Elternhauses, schaut ins Gras , das längst hätte gemäht werden müssen, und lächelt. Ja, ganz bestimmt sei das so, sagt er dann. „Am Ende ist es doch immer die Natur, die den Menschen zum Künstler werden wird, es ist immer die Natur.“

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