Suchen
    • Angelika Kauffmann Museum - Büste Angelika Kauffmann / Angelika Kauffmann Museum
      media_content.tooltip.skipped

    Malendes Wunderkind Angelika Kauffmann

    Angelika Kauffmanns Biografie enthält alles, was für das Entstehen einer Kultfigur nötig ist: Talent, Glamour, einen Skandal, Geschäftstüchtigkeit und ein Jetset-Leben – wenngleich im 18. Jahrhundert noch mit Pferd und Kutsche.

    „The whole world is Angelicamad!“

    Als die kosmopolitische, hochbegabte Malerin Angelika Kauffmann nach zahlreichen Stationen in den Kunstzentren Italiens in London ein Atelier gründet, ist sie gerade einmal Mitte zwanzig. Und die ganze Welt bald „angelicamad“, verrückt nach Angelika.

    Wie Mozarts musikalischer Vater hatte auch Kauffmanns malender Vater früh das Talent der 1741 geborenen Tochter entdeckt und nach Kräften gefördert. Bereits im Alter von 16 Jahren malte sie Wandfresken in der Kirche von Schwarzenberg im Bregenzerwald, jenem Dorf, aus dem ihre Verwandtschaft väterlicherseits stammte und wo sie zeitlebens ihre Heimat verortete.

    Angelika Kauffmann, Selbstbildnis in Bregenzerwälder Tracht, 1781 / Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum
    media_content.tooltip.skipped
    •                     Angelika Kauffmann, Porträt: Josef Johann Kauffmann, 1763 / Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum
      media_content.tooltip.skipped

      Vater Josef Johann Kauffmann, 1763

    •                     Angelika Kauffmann, Selbstporträt mit Notenblatt, 1753 / Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum
      media_content.tooltip.skipped

      Angelika, Selbstporträt mit Notenblatt, 12 Jahre

    •                     Angelika Kauffmann, Selbstbildnis Öl auf Leinwand um 1802 / Angelika Kauffmann Museum
      media_content.tooltip.skipped

      Angelika, Selbstporträt mit 61 Jahren

    • Unkonventionell, verheiratet, pleite

      Vor allem Kauffmanns Porträts, die ganz der Mode der Zeit entsprachen, waren heiß begehrt. Jeder, der etwas auf sich hielt, suchte „Miss Angel“ auf und ließ sich von ihr malen. Das bescherte der Künstlerin schon bald ein beträchtliches Vermögen und machte ihr Atelier – an welchem Ort sie auch immer gerade malte– zum zentralen Treffpunkt der High Society. So gebildet, gut vernetzt, begabt und glamourös sie war, so unerfahren war sie in Liebesdingen: 1767 saß sie in London einem Heiratsschwindler auf. Drei Monate nach der Hochzeit war sie wieder geschieden und um ihr Geld gebracht. Stoff genug für einen saftigen Skandal.

    • Erst viele Jahre später ließ sie sich auf eine weitere Ehe mit dem wesentlich älteren Maler Antonio Zucchi ein. Er – und auch das ist bemerkenswert – verzichtete zugunsten seiner reichen und begabten Frau auf die eigene Karriere und managte stattdessen sie. Für ihre künstlerische Unabhängigkeit schlug Kauffmann zeitlebens Anstellungen an einem Hof aus, nahm lieber Aufträge aus der ganzen Welt von Zaren, Kaisern, vom Papst, reichen Bürgern und Bankiersfamilien an. Preise und Motive bestimmte sie. Sie malte in Rom, London, Neapel, Venedig und Florenz.

    • Merchandising mit „Miss Angel“

      Wenn schon nicht Originale, so zierten wenigstens Stiche ihrer Bilder damals jeden modernen Haushalt. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein und sogar noch im 20. Jahrhundert finden sich Motive aus Angelika Kauffmanns Bildern auf Bildtellern oder Porzellanservicen. Dieses Merchandising hat nicht zuletzt auch mit dem Kult um ihre schillernde Person zu tun. Schließlich bestaunte selbst Goethe, den sie zu ihrem Freundeskreis zählte, sie und bezeichnete sie als „Wunderweib“. Als sie 1807 in Rom stirbt, wird sie dort mit Pomp und Glanz beerdigt.

    Im 18. Jahrhundert hatte sich bei jungen Adeligen und wohlhabenden Bürgerlichen aus ganz Europa der Trend zur Bildungsreise – der sogenannten „Grand Tour“ – entwickelt. Als Souvenir brachten diese Reisenden gerne ein Porträt mit nach Hause und wer es sich leisten konnte, ging zur Besten: Angelika Kauffmann. So kam es, dass die österreichische Künstlerin ihre Porträts in die ganze Welt verkaufte. Mit der „Grand Tour“ ging auch die touristische Entdeckung der Alpen einher. Und wer heute in Österreich die Alpen durchquert und sich von der Schönheit der Natur hinreißen lässt, wandelt ganz selbstverständlich auch auf den Spuren der Malerin und ihrer Zeitgenossen.

    Thomas Hirtenfelder im Gespräch

    Thomas Hirtenfelder, selbst im Bregenzerwald unweit von Schwarzenberg aufgewachsen, lebt als freischaffender Kunst- und Kulturwissenschaftler in Bregenz. Er ist seit 2017 als freier Kurator für das Angelika-Kauffmann-Museum in Schwarzenberg tätig und nimmt uns mit auf eine Reise durch die Heimat der berühmten Künstlerin.

    austria.info: Wo in Österreich trifft man auf Werke von Angelika Kauffmann?
    Thomas Hirtenfelder: Schwarzenberg im Bregenzerwald ist sicher der bedeutendste Ort. In der barocken Pfarrkirche ist die Künstlerin durch ihre im Alter von nur 16 Jahren geschaffenen Apostelfresken und das 1802 der Kirche gewidmete Hochaltarbild präsent. Originalwerken von Angelika Kauffmann begegnet man seit 2007 im Angelika-Kauffmann-Museum in Schwarzenberg. Die weltweit größte zusammenhängende Sammlung ihrer Werke befindet sich heute im vorarlberg museum in Bregenz. Weitere bedeutende Werke, wie ihr berühmtes Selbstporträt in Bregenzerwälder Tracht von 1781, sind im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck zu bewundern.
    austria.info: Welche Orte oder Veranstaltungen laden dazu ein, Angelika Kauffmann und ihrer Zeit nachzuspüren?
    Thomas Hirtenfelder: Der historische Ortskern des Dorfes Schwarzenberg hat sich seit dem 18. Jahrhundert nahezu unverändert erhalten und lässt mit den berühmten alten Gasthäusern, wie dem seit 1755 bestehenden „Hirschen“, heute ein stilvolles Boutiquehotel, die Zeit von Angelika Kauffmann lebendig werden. Das 2007 in einem historischen Bregenzerwälderhaus neu eröffnete Angelika-Kauffmann-Museum in Schwarzenberg hält das Gedenken an die große Tochter des Ortes mit jährlich wechselnden Themenausstellungen und einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm aufrecht. Im Angelika-Kauffmann-Saal in Schwarzenberg findet zudem jährlich das international renommierte Musikfestival Schubertiade statt.
    austria.info: Welche Orte, Bauten oder Landschaften sind beispielgebend für die Zeit des aufstrebenden Bürgertums der Aufklärung? Oder welche sind in Österreich zu Kauffmanns Zeit besonders im Fokus gestanden?
    Thomas Hirtenfelder: Die Epoche des Klassizismus mit ihrer Begeisterung für die Antike und ihren neuen Bildungsidealen hat natürlich auch in der Habsburgermonarchie ihre Spuren hinterlassen. Bedeutende Bauwerke aus der Zeit von Angelika Kauffmann sind zum Beispiel die Triumphpforte in Innsbruck oder der Theseustempel im Wiener Volksgarten. Letzterer diente ursprünglich der Aufstellung einer vom Bildhauer Antonio Canova geschaffenen Theseusskulptur. Canova war ein berühmter Zeitgenosse und Freund Kauffmanns und wirkte auch selbst am Bau des Tempels mit.
    austria.info: Wenn Sie im Bregenzerwald unterwegs sind, welche Orte inspirieren Sie persönlich?
    Thomas Hirtenfelder: Am schönsten taucht man meiner Meinung nach in den Bregenzerwald ein, wenn man von Dornbirn kommend über das Bödele anreist. Von den Aussichtspunkten auf der Passhöhe und entlang idyllischer Wanderwege entfaltet sich ein beeindruckendes Bergpanorama. Auf der anderen Seite reicht der Blick bis ins Rheintal und zum Bodensee. Seit meiner frühesten Kindheit habe ich hier viele wunderschöne Momente erlebt. Auf der Suche nach Entspannung und neuen Ausstellungsideen ziehe ich mich auch heute noch immer wieder gerne dorthin zurück.
    austria.info: Haben Sie Tipps für besondere kulinarische Highlights der Region Bregenzerwald?
    Thomas Hirtenfelder: Entlang der „KäseStrasse Bregenzerwald“ verbinden sich Natur, Kultur und Kulinarik generell zu einem genussvollen „Gesamtkunstwerk“. Auf jeden Fall ist man nicht im Bregenzerwald gewesen, ohne Käsknöpfle – wie die Käsespätzle hier genannt werden – gegessen zu haben, am besten kombiniert mit dem einzigartigen Naturerlebnis der Gegend um Schönebach nahe Bizau.

    Empfehlungen von Thomas Hirtenfelder

    Angelika Kauffmann: Stationen ihres Lebens

    1741: Geburt in Chur in der Schweiz. Der Vater, selbst Maler, stammt aus Schwarzenberg im Bregenzerwald, Vorarlberg, die Mutter aus der Schweiz. Kauffmann verbringt ihre Kindheit und Jugend in Mailand, Como.

    1753: Kauffmann malt ihr erstes Selbstporträt – als Sängerin. Sie ist auch musikalisch begabt.

    1757 stirbt die Mutter. Kauffmann geht mit dem Vater nach Schwarzenberg zurück, wo er als Freskenmaler die nach einem Brand wiedererrichtete Kirche ausstattet. Die Tochter malt dafür 13 Apostelbildnisse.

    1760 bis 1762: Aufenthalte in Mailand, Modena und Florenz, wo sie die Antike und die alten Meister studiert.

    1762 wird sie zum Ehrenmitglied der Accademia Clementina di Bologna und schließt ihr Diplom an der Accademia del Disegno ab.

    1763: Aufenthalt in Neapel und Ischia, danach lebt sie mit dem Vater in Rom. Dort spezialisiert sie sich auf Porträts berühmter Italienreisender, vorwiegend Engländer.

    Angelika Kauffmann, Selbstporträt mit Notenblatt, 1753 / Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum
    media_content.tooltip.skipped

    1766 siedelt sie sich in London an, 1768 wird sie dort Gründungsmitglied der Royal Academy of Arts. Ihr Atelier wird zentraler Treffpunkt der High Society.

    Die 1767 eingegangene Ehe mit einem Heiratsschwindler bringt sie um ihr Erspartes.

    Erst 1781 heiratet sie Antonio Zucchi, er managt sie fortan.

    1782 siedelt das Paar nach Rom. Auch dort wurde ihr Atelier zum Treffpunkt für Künstler, Intellektuelle und Adelige.

    1807 stirbt Kauffmann in Rom. Noch im selben Jahr wird ihre Büste im Pantheon in Rom aufgestellt.

    2007 wird in Schwarzenberg das Angelika-Kauffmann-Museum eröffnet.

    Angelika Kauffmann, Selbstbildnis Öl auf Leinwand um 1802 / Angelika Kauffmann Museum
    media_content.tooltip.skipped
    media_content.tooltip.skipped