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Die Herrin der Ballnächte

Prominente Ballbesucher im Wiener Atelier „Lambert Hofer junior“

Autor: Günter Kaindlstorfer
 
Olga Hofer badet in Gold. Die Inhaberin des Frack- und Kostümverleihs „Lambert Hofer junior“ in der Nähe der Wiener Staatsoper sitzt in ihrem Atelier inmitten goldfarbener Kostüme und bringt einige Goldfasanfedern auf einem glamourösen Federkragen an, der einem schrillen Kostüm den letzten Pepp verleihen soll.
 
„Lambert Hofer junior“ ist einer der gefragtesten Ausstatter der Wiener Ballszene. Seit Wochen arbeitet Olga Hofers Atelier auf Hochtouren: Der Life Ball naht. Es ist eine von rund 450 Ballveranstaltungen in Österreichs Hauptstadt. Die Ballsaison gilt als eigene – fünfte – Jahreszeit: Neben vielen noblen Traditionsbällen, auf denen die jahrhundertelange Kulturtradition zelebriert wird, die bis in die Kaiserzeit zurückreicht, finden sich auch Neuinterpretationen, die jugendliche Vergnügtheit mit gesellschaftlichen Anliegen verbinden.
 
Buntheit ist gefragt
„Auf dem Life Ball ist Buntheit gefragt“, erklärt die gelernte Modistin. „Die Leute wollen poppige, originelle Kostüme.“ „Lambert Hofer junior“ macht alle Garderobenwünsche wahr, wenngleich es bei den meisten Bällen förmlicher zugeht als auf dem Life Ball. Plácido Domingo und Richard Burton, Yul Brynner, Mel Ferrer und Klaus Maria Brandauer, sie alle haben sich in Olga Hofers Werkstatt in den letzten Jahren und Jahrzehnten Fräcke, Smokings und Sakkos schneidern lassen.
 

Ein Frack für den UNO Generalsekretär

  • Das Atelier © Österreich Werbung / Rainer Fehringer Das Atelier © Österreich Werbung / Rainer Fehringer
Vor Kurzem half sie auch dem UNO-Generalsekretär aus einer Kleidungskrise. Ban Ki-moon weilte auf Einladung Heinz Fischers in Wien, er sollte den Bundespräsidenten zum Höhepunkt des Wiener Faschings begleiten, auf den Opernball. Allein: Der UNO-Chef wusste nichts vom strengen Dresscode. Auf den echten, den genuin wienerischen Nobelbällen herrscht strikte Frack- oder zumindest Smokingpflicht. Da trat Olga Hofer auf den Plan: Die „Herrin der Fräcke“ eilte ins Hotel Bristol, wo Ban Ki-moon residierte, nahm Maß am UNO-Generalsekretär und lieferte den Leihfrack binnen Tagesfrist. Ein Foto im Anproberaum kündet von der geglückten Transaktion: Der UNO-Chef strahlt im perfekt sitzenden Lambert-Hofer-Frack in die Kamera – mit einem riesigen Orden auf der Brust.

“In Deutschland kannst du als Mann auch im schwarzen Anzug auf einen exklusiven Ball gehen, das ist in Wien ein absolutes No-Go.”

Olga Hofer im Atelier © Österreich Werbung / Rainer Fehringer Olga Hofer im Atelier © Österreich Werbung / Rainer Fehringer Olga Hofer, Inhaberin von „Lambert Hofer junior“
„Wir merken schon im September, dass die Ballsaison naht“, erzählt Olga Hofer. Sobald die Sommerferien zu Ende sind, treffen im Hoferschen Atelier bereits die ersten Frackanfragen für den Opernball ein, und wenn es dann wirklich ernst wird, auf dem Siedepunkt des Wiener Faschings, herrscht in den stimmungsvollen Räumlichkeiten in der Margaretenstraße ein Gedränge wie auf dem Tanzparkett der Wiener Staatsoper kurz vor der Mitternachtsquadrille.
„Die Wiener Ballkultur ist einzigartig“, schwärmt Olga Hofer, die den Frack- und Kostümverleih im vierten Bezirk nach dem Tod ihres Mannes seit einiger Zeit allein betreibt. „In Deutschland kannst du als Mann auch im schwarzen Anzug auf einen exklusiven Ball gehen, das ist in Wien ein absolutes No-Go. Smoking ist das Minimum, Frack ist besser.“ Und so verhilft Frau Hofer zusammen mit ihrem Team von Schneidern Jahr für Jahr unzähligen Herren im Zustand der Verzweiflung zu einem passenden Frack, auf dass sie in Hofburg, Rathaus und Musikverein bella figura machen.
Security im Frack
Nicht nur mit Zeitknappheit weiß Frau Hofer souverän umzugehen, auch für ausgefallene Wünsche findet sie die passende Lösung. Etwa für die gutgebauten Herren der Polizeisondereinheit. Werden sie beim Opernball und anderen noblen Tanzveranstaltungen als Security hochrangiger Politiker eingesetzt, bedeutet das auch für sie: Ohne Frack geht nichts. „Die Herren sind in der Regel äußerst muskulös“, berichtet Olga Hofer, „beim Maßnehmen bin ich da besonders penibel: Schließlich soll der Frack perfekt sitzen.“

Ballkultur im Frack

  • Lambert-Hofer junior © Österreich Werbung / Rainer Fehringer Lambert-Hofer junior © Österreich Werbung / Rainer Fehringer
  • Lambert-Hofer junior © Österreich Werbung / Rainer Fehringer Lambert-Hofer junior © Österreich Werbung / Rainer Fehringer
  • Olga Hofer im Atelier © Österreich Werbung / Rainer Fehringer Olga Hofer im Atelier © Österreich Werbung / Rainer Fehringer
  • Lambert-Hofer junior © Österreich Werbung / Rainer Fehringer Lambert-Hofer junior © Österreich Werbung / Rainer Fehringer

Der legendäre Tanzmeister Thomas Schäfer-Elmayer

  • Thomas Schäfer-Elmayer © Tanzschule Elmayer Thomas Schäfer-Elmayer © Tanzschule Elmayer

Interview

„DER WALZER IST MEIN LIEBLINGSTANZ“

Der prominente Wiener Tanzschullehrer Thomas Schäfer-Elmayer im Gespräch über die Wiener Ballkultur und seinen persönlichen Lieblingstanz.

Austria Info: Was unterscheidet die Wiener Ballkultur von Tanzveranstaltungen, sagen wir, in New York oder Frankfurt am Main?

THOMAS SCHÄFER-ELMAYER: Den größten Unterschied machen die Wienerinnen und Wiener aus, die äußerst ballerfahren sind und wissen, dass die Ballgäste selbst die wichtigsten Akteure bei einem Ball sind. Das Wiener Ballpublikum weiß genau, worauf es bei einem Ball ankommt: auf gute Laune, elegante Kleidung, charmantes Benehmen, gepflegte Konversation und Tanzfreude. Außerdem gehört zu einem klassischen Wiener Ball immer eine Balleröffnung durch das „Jungdamen- und Jungherrenkomitee“ sowie mindestens eine Publikumsquadrille.

Austria Info: In anderen Ländern sind diese Dinge nicht üblich?

THOMAS SCHÄFER-ELMAYER: Viele Bälle in anderen Ländern werden nicht mit Debütantenpaaren eröffnet. Die Publikumsquadrille ist im Ausland sogar fast unbekannt. Nur in Bayern, wo die Quadrille unter dem Begriff „Française“ bekannt ist, habe ich sie beim „Ball der Österreicher“ erlebt.

Austria Info: Sie führen die renommierteste Tanzschule Wiens. Wie tanzbegeistert sind die jungen Leute heute noch?

THOMAS SCHÄFER-ELMAYER: Die Freizeitgewohnheiten haben sich massiv verändert, das hat leider auch negative Einflüsse auf die Tanzbegeisterung. Vor allem die neuen  Zeiträuber - beispielsweise Facebook - nehmen die Freizeit der jungen Menschen stark in Anspruch, worunter die Tanzschulen zu leiden haben. Der Besuch der Tanzschule Elmayer ist aber bei Wiener Familien über viele Generationen hinweg traditionell zum fixen und unverzichtbaren Bestandteil der Jugendzeit geworden. Jahr für Jahr gelingt es uns auch, die Jugendlichen, die unsere Kurse besuchen, für die Wiener Balltradition zu begeistern. Das „Elmayer-Kränzchen“, unser Ball am Faschingsdienstag in der Hofburg, wird daher alljährlich vom größten Debütantenkomitee aller Bälle eröffnet: 2015 haben sich 520 junge Leute an der Eröffnung beteiligt.

Austria Info: Ihr persönlicher Lieblingstanz?

THOMAS SCHÄFER-ELMAYER: Natürlich der Wiener Walzer.

Austria Info: Was zeichnet einen guten Tänzer aus?

THOMAS SCHÄFER-ELMAYER: Ein guter Tänzer sollte erkennen, welcher Tanz zur gespielten Musik passt, immer im Takt tanzen, Rücksicht auf die Partnerin und ihre Tanzkenntnisse nehmen und sich nicht großartig auf dem Tanzparkett produzieren.

Stress, Rücksichtslosigkeit und schlechte Laune können Zuhause gelassen werden.”

Thomas Schäfer-Elmayer

Austria Info: Was ist etikettemäßig ein absolutes No-Go auf einem Ball?

THOMAS SCHÄFER-ELMAYER: Jede Art von Stress, Rücksichtslosigkeit und schlechte Laune ist absolut unangebracht. Außerdem ist es - unabhängig von der Temperatur - für die festliche Stimmung unerlässlich, dass alle Gäste elegante Ballkleidung tragen und dies unverändert bis zum Verlassen des Ballgeschehens durchhalten.

Austria Info: In Ekstase auf dem Tisch tanzen und den Frack in die Menge schleudern – das geht gar nicht?

THOMAS SCHÄFER-ELMAYER: Einen Vorteil hätte es: Auf diese Weise könnte man direkt von der Hofburg in die Ausnüchterungszelle kommen.

Die schönsten Bälle

  • Opernball © Österreich Werbung / Lammerhuber Opernball © Österreich Werbung / Lammerhuber
  • Lifeball © Harald Klemm Lifeball © Harald Klemm
  • Zuckerbäckerball © Ballguide Fotoservice Zuckerbäckerball © Ballguide Fotoservice
  • Fête Impériale © Fête Impériale Fête Impériale © Fête Impériale
  • Wiener Kaffesiederball © Österreich Werbung Wiener Kaffesiederball © Österreich Werbung
  • Die Grazer Oper © Österreich Werbung / Achim Meurer Die Grazer Oper © Österreich Werbung / Achim Meurer
  • Die Wiener Staatsoper © Österreich Werbung Die Wiener Staatsoper © Österreich Werbung
  • Die Hofburg, Veranstaltungsort zahlreicher Bälle © Österreich Werbung Die Hofburg, Veranstaltungsort zahlreicher Bälle © Österreich Werbung

OPERNBALL
Ort: Staatsoper, Wien
Einmal im Jahr verwandelt sich die Wiener Staatsoper in den theatralischsten Ballsaal der Welt. 5000 zahlende Gäste bestaunen die Eröffnungs-Polonaise, nippen an Champagnergläsern, lauschen den Darbietungen prominenter Sänger. Dann schieben sich Walzer-Enthusiasten aus aller Welt im Dreivierteltakt übers hoffnungslos überfüllte Parkett. Von Ban Ki-moon bis Naomi Campbell: der Promifaktor auf dem „Ball der Bälle“ ist traditionell hoch.

LIFE BALL
Ort: Rathaus, Wien
Der schrillste Ballevent Wiens. 1993 als Benefizveranstaltung für HIV-infzierte Menschen gegründet, hat sich der „Life Ball“ im letzten Vierteljahrhundert zu einem der glamourösesten Spektakel der europäischen Queer-Szene entwickelt. Schwul-lesbischer Schick und „Tanzen für die gute Sache“ gehen hier eine geglückte Liaison ein.

PHILHARMONIKERBALL
Ort: Musikverein, Wien
Wiens exklusivster Ball, wie Kenner behaupten. Die Wiener Philharmoniker, eines der berühmten Orchester der Welt, bitten die vornehme Welt zum Tanz in den Goldenen Saal des Musikvereins. Ein Pflichtball für Angehörige der kultivierten Upper Class, denen der Opernball zu „vulgär“ geworden ist.

ZUCKERBÄCKERBALL
Ort: Hofburg, Wien
Ein Wiener Ball-Highlight, nicht nur für Naschkatzen. Seit 1901 laden die Bäcker und Konditoren der Stadt zum Tanz ins imperiale Ambiente der Hofburg. Alle Jahre wieder wird die stimmungsvolle Atmosphäre des Balls gelobt.  Ein Ereignis für sich: die legendäre Tombola. Zu gewinnen gibt’s 3000 handgefertigte Torten.
 
FLÜCHTLINGSBALL
Ort: Rathaus, Wien
Charity, die groovt: Der Flüchtlingsball im Wiener Rathaus ist aus dem Ballkalender der österreichischen Hauptstadt nicht mehr wegzudenken. Menschen aus allen Kontinenten schwingen das Tanzbein zugunsten des „Wiener Integrationshauses“, AsylwerberInnen begeistern als DJs, multiethnische Bands spielen auf. Ein Ball, der fetzt. Dresscode: leger.
 
FÊTE IMPÉRIALE
Ort: Spanische Hofreitschule, Wien
Ein Sommerball in kaiserlichem Ambiente: Die Spanische Hofreitschule, Heimstatt der edlen Lipizzaner, lädt zum Tanzen und Flanieren. Der Reinerlös der großen Sommergala kommt den weißen Hengsten zugute. Die berüchtigte Wiener Sommerhitze brauchen Walzerfans bei der Fête Impériale  nicht zu fürchten: Seit kurzem ist die Winterreitschule voll klimatisiert.
 
KAFFEESIEDERBALL
Ort: Hofburg, Wien
Der Kaffeesiederball ist Kult, nicht nur unter Cafetiers. Mit alljährlich 6000 Gästen zählt der Ballevent in der Hofburg zu den Highlights des Wiener Faschings. Zu den absoluten Musts am Kaffeesiederball gehört natürlich: ein Besuch an der Kaffeebar.
 
OPERNREDOUTE GRAZ
Ort: Opernhaus, Graz
Große Roben, festliches Ambiente: Der Ball in der Grazer Oper – einem der prachtvollsten Opernhäuser Europas – ist DAS gesellschaftliche Ereignis der steirischen Hauptstadt. Auch die Kunst kommt zu ihrem Recht in dieser rauschenden Ballnacht: Das philharmonische Orchester musiziert, Ballett und Sänger geben Proben ihrer Kunst.
 
EDELWEISSKRÄNZCHEN SALZBURG
Ort: Kongresshaus Salzburg
Fesche Dirndln, stramme Wadln: So lautet das Motto beim traditionsreichen Trachtenball des Salzburger „Edelweiss-Clubs“, des führenden Bergsteigervereins der Festungsstadt. Der Dresscode ist strikt: Dirndkleid und Lederhose sind Pflicht. Ballorganisator Haimo Falkensteiner bittet seit einem halben Jahrhundert mit den immer gleichen Eröffnungsworten zum Tanz: „Musikanten spüt’s auf!“

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