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    • Wiese mit Almrausch in den Nockbergen
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    Almbaden: Wenn die Sennerei zur „Sinnerei“ wird

    Wo Mensch und Tier seit Jahrhunderten in der satten Natur den Sommer verbringen, ist etwas ganz Besonderes entstanden: ein energiegeladener Lebensraum. Wertvoll und gesund – für die Seele und die Sinne. 

    Was da oben so besonders für unsere körperliche und seelische Gesundheit ist? Es ist das Zurückkehren in das Ursprüngliche, das Einfache, das Reduzierte. Wir sind umgeben von reiner Luft, klarem Licht und unbeschwerter Leichtigkeit. Die Duftwolken der Wiesen, Bäume und Kräuter begleiten jeden Atemzug. Die Bergruhe wird akustisch begleitet von einer Kuhglocke, dem Plätschern eines Rinnsals oder einer Windböe. Die Farbenpracht zwischen Grasgrün und Himmelblau erfreut das Auge in jeder Sekunde, wenn wir uns zurückziehen aus der Hektik und dem schnellen Getriebensein im Alltag.

    Almgeschichten ganz persönlich

    Spricht man mit Menschen, die eine gewisse Zeit auf der Alm verbracht haben, so wird schnell klar: Es ist dieses ganz spezielle Hochgefühl, ausgelöst durch das Pure, das Ursprüngliche, das Reduzierte, das dieses alpine Leben prägt. Was uns die Alm fürs Leben lehrt und welche ganz persönliche Wirkung sie auf uns haben kann, berichten uns eine Hüttenpächter-Familie, eine Sennerin, Alm-Hoteliers und eine Wanderin.

    Hüttenwirt Patrick Endl
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    Alles, was man gibt, kommt unmittelbar zu einem zurück.

    Familie Endl: Hüttenpächter-Familie mit Leib und Seele

    „Warum wir uns mit unseren drei Kindern dafür entschieden haben, eine Hütte zu pachten und das ‚normale‘ Leben hinter uns zu lassen? Die Antwort ist einfach: Die Alm ist ein wunderschöner Ort, an dem man sich gut entspannen kann. Das Leben hier lehrt uns täglich, dass, wenn man mit Liebe und Hingabe an seine Aufgaben und an Menschen herangeht, alles wieder zu einem zurückkommt. Die schönsten Erlebnisse sind die kleinen Dinge. Die Kinder, die auf der Wiese spielen. Ponys, Schweine und Schafe, die dazwischen umherlaufen. Die Klänge der spontanen Konzerte, die am Lagerfeuer vom Knistern des Feuers begleitet werden. Hier oben auf der Alm kommen die Menschen in Kontakt, nicht nur mit der Natur, sondern auch untereinander.“

    Familie Endl ist Pächter der Hütte Das Heinz in Altaussee in der Steiermark.

    Sommer auf der Alm
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    Auf der Alm, da brauch ich nichts und habe alles.

    Daniela Nuber: Sennerin für einen Sommer

    „Jedes Mal, wenn ich in den Bergen war, habe ich den Wunsch verspürt, einfach oben zu bleiben und nicht wieder ins Tal zu gehen. Das war der Grund, weshalb ich tatsächlich eines Tages meinen Job gekündigt habe, um über den Sommer auf der Alm zu arbeiten. Was das Schönste daran war? Es waren die kleinen Momente und das große Ganze. Hier oben brauche ich nichts und habe alles. Auf der Alm sind wir den Tieren, der Natur, dem Wetter und den Bergen mit allen Sinnen so nah. Ich liebe es, mit einem Kaffee in der Hand am Morgen auf der Holzbank in der Sonne zu sitzen, die Tiere beim Grasen zu beobachten und die Kuhglocken zu hören. Die Alm lehrt uns gut, dass wir zum Glücklichsein viel weniger Materielles brauchen, als wir uns manchmal denken.“ 

    Daniela Nuber hat ihre Erfahrungen in ihrem Buch „Mein Almsommer“ und auf ihrem Blog dokumentiert.

    Familie Pierer / Teichalm
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    Hier oben lernt man, worum es im Leben eigentlich geht.

    Familie Pierer: Alm-Hoteliers aus tiefster Überzeugung

    „Die Weitläufigkeit, die gute Luft, die Natur mit all ihren unglaublichen Facetten: Wir wollen unseren Gästen zeigen, wie schön es auf der Alm ist und wie heilsam, entspannend und beruhigend eine Auszeit in der Natur sein kann. Ob eine Wanderung entlang des Moorlehrpfads oder ein Sonnenaufgang auf dem Hochlantsch, die Begegnungen machen das Erlebnis so besonders. Stößt man auf ein wildlebendes Tier, wird einem erst klar, wie nah man der Natur ist. Wir haben das große Glück, hier an einem Ort zu leben, der von grünen Wiesen, wilden Kräutern und unberührten Wäldern umgeben ist. Zu oft vergessen wir Menschen, dass das Gute so nahe liegt und der Blick in die schier unendliche Bergwelt Herausforderungen immer weiter in die Ferne rücken lässt.“ 

    Familie Pierer betreibt das Almwellness Hotel Pierer auf der Teichalm in der Steiermark.

    Hütte Lungau Pia Matkovits
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    Zeit am Berg ist Balsam für die Seele.

    Pia Matkovits: Wanderin aus Leidenschaft

    „Die Berge sind mein Rückzugsort. Sie rücken alle Alltagsprobleme einfach ein bisschen in die richtige Perspektive. Wenn ich von Hütte zu Hütte wandere, kann ich den Moment genießen – ohne Handy, ohne Stress. Es gibt auf fast jeder Alm draußen vor der Tür ein Holzbankerl – und genau das ist mein absoluter Lieblingsplatz. Von hier aus bekommt man einfach alles mit: den Blick auf die Almwiese und die Tiere, das Plätschern der Quelle, den Duft aus der Küche, die Menschen, die kommen und gehen. Die österreichischen Alpen sind nicht nur eine beeindruckende Naturlandschaft, sie sind eine wahre Kulturlandschaft, auf die wir achtgeben müssen. Das ist der Grund, weshalb ich selbst gerne einen kleinen Teil dazu beitrage und regelmäßig bei der Almpflege mithelfe.“ 

    Pia Matkovits ist Studentin in Salzburg und Wien. In ihrer Freizeit zählt Wandern zu ihrer größten Leidenschaft. 

    Die Alm: Zusammenspiel von Mensch, Tier und Natur

    •                 Venetalm / Venetalm
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    •                 Frauenalpe bei Murau / Frauenalpe
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    •                 Almerlebnistag / Millstättersee
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    •                 Alpsennerei Stutzalpe / Stutzalpe
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    10 gute Gründe für das Almbaden: Macht die Höhe gesund, glücklich, vital und jung?

    Wiese mit Almrausch in den Nockbergen
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    Almbaden: Die Medizin aus der Natur

    „Der Begriff Almbaden gefällt mir sehr gut“, sagt Univ.-Doz. Dr. Arnulf Hartl, Leiter des Instituts für Ökomedizin der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg. Er erforscht mit seinem Team intensiv die gesundheitlichen Vorteile, die ein Almaufenthalt mit sich bringt. „Wir haben auf der Alm eine unglaublich hohe Biodiversität und ein vielfältiges Almmikrobiom. Wir wissen, dass Bauernkinder weniger anfällig für Asthma und Allergien sind“, sagt Dr. Hartl. 

    Doch wie kommt es dazu, dass Kinder, die auf Bauernhöfen und Almen aufwachsen, eine bessere Immunabwehr aufbauen? Die Antwort ist einfach, erklärt Dr. Hartl: „Unser Immunsystem braucht die Auseinandersetzung mit einer Vielfalt an Bakterien – besonders im Kindesalter, um sich zu entwickeln und richtig gegen schädliche Eindringlinge zu arbeiten. Passiert dies nicht, richtet es sich gegen falsche Feinde, was Allergien und Autoimmunerkrankungen zur Folge haben kann.“ 

    • Höhenluft: Die Alm und ihre Besonderheiten

      In der Stadt fehlen unserem Immunsystem das sogenannte artenreiche Mikrobiom, die vielen Botenstoffe und Mikroorganismen, die uns gesund halten. Generell aber hat ein Aufenthalt auf der Alm noch viel mehr zu bieten. Studien haben schon vor Jahren ergeben, dass der Körper in Höhen zwischen 1.500 und 2.000 Metern positiv beeinflusst wird, das zeigt sich etwa in einer Senkung des Pulses, Blutdrucks oder Blutzuckers und einer Aktivierung des Stoffwechsels.

      Ein Urlaub auf der Alm oder eine Wanderung dorthin hat wunderbare Wirkung. Unter anderem versorgt uns die Höhenluft mit Vitamin D. Mit zunehmender Höhe sinkt der Anteil der Sauerstoffteilchen im Blut pro Volumen. Die Produktion von roten Blutkörperchen steigt und frische Blutkörperchen übernehmen die bessere Sauerstoffversorgung des Gewebes. So wird die Alm wortwörtlich zum Erholungsort – von der allgemein guten Laune an der frischen Luft ganz zu schweigen.

    • „Sinnerei“: Tag und Nacht geöffnet

      In Österreich gibt es mit rund 8.400 landwirtschaftlich betriebenen Almen eine riesige Vielfalt: von Kräuteralmen und Holleralmen (Holunder) über Käsealmen bis hin zu Rinder-, Schaf- und Pferdealmen. Von Frühling bis Herbst können wir teilhaben am Leben in der Höhenluft: In den Monaten Mai bis September werden sie bewirtschaftet.

      Wenn es dämmert auf der Alm, wenn die Luft sich abkühlt und als frische Brise ins Tal weht, dann zeigt die Alm, was es nicht gibt: nämlich Lichtsmog und Lärm. Der Blick in die Sterne ist so klar und strahlend wie nirgendwo unten. Die Ruhe wird so spürbar wie die Nacht dunkel. Die Stille deckt uns zu und der Schlaf hier oben in der Höhe ist ungewohnt fest und tief. 

      Almbaden – eine Entdeckung für Körper, Geist und Seele, ob bei Tag oder Nacht.

    Allem ist ein Kraut gewachsen

    Die speziellen Kräuter auf der Alm haben auch spezielle Namen: Alpenampfer, Mutterwurz, Alpenliesch, Speik, Schafgarbe, Arnika, Enzian oder Hauswurz. Heutzutage schön zu bestaunen, war in früheren Zeiten ihre Verwendung und Wirkung von besonderem Vorteil. 

    •                 Arnika auf einer Almwiese in der Region Millstättersee / Millstätter See
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    •                 Augentrost und Pfefferminze im Gasteinertal / Gasteinertal
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    Autorinnen: Corinna Meyer, Laura Elsayed, Monika Plank
    mit Unterstützung von Kurt Stelzer

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