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    • Karin Kropik
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    Das Leben spüren - ein Gespräch mit Karin Kropik

    Karin Kropik sagt über sich selbst, dass sie “in der Natur aufblüht”. Hier empfindet sie Stille und gleichzeitig pulsierende Lebendigkeit. So fällt es ihr leicht, wieder zu ihrer Mitte zu finden. Aber nicht nur ihre eigene Leidenschaft neue Wege und Landschaften zu erkunden, macht sie aus – viel mehr ist es der Wunsch, diese Erfahrungen mit anderen Menschen zu teilen.

    Karin Kropik bietet Touren für Menschen an, die die Natur rund um Wien mit allen Sinnen erleben, innerlich zur Ruhe kommen und sich wieder spüren möchten.

    Karin Kropik im Gespräch

    austria.info: Bevor wir auf deinen persönlichen Zugang zur Natur eingehen, möchtest du dich kurz vorstellen? Wie sieht dein persönlicher Weg aus?
    Karin Kropik: Vor einigen Jahren habe ich mich mit „Das Leben spüren – Embrace Life“ selbständig gemacht. Mittels Bewusstseinsarbeit und Achtsamkeitsübungen begleite ich Menschen dabei, den Zugang zu sich selbst und zur Natur wieder zu entdecken. Beruflich hat mein Weg im Tourismus begonnen, der mich auch immer wieder für längere Zeit ins Ausland geführt hat. An einem Punkt habe ich erkannt, dass mein Platz in Österreich ist. Nach einer persönlichen Krise und einer daraus gewonnenen tiefgreifenden Erkenntnis habe ich meinen damaligen Bürojob gekündigt und mich intensiv mit Bewusstseinsarbeit und Meditation auseinandergesetzt. Begleitend habe ich viel Zeit in der Natur verbracht und erfahren, wie heilsam bereits ein kurzer Aufenthalt im Grünen ist.
    austria.info: Du hast bereits kurz erwähnt, dass du selbst einige Jahre im Ausland gelebt hast. Nimmst du Österreich nun anders wahr? Was zeichnet das Land für dich aus?
    Karin Kropik: Ganz typisch für Österreich ist meiner Meinung nach die vielzitierte Gemütlichkeit. Selbst in einer Millionenstadt wie Wien geht es immer noch weit weniger hektisch zu als in anderen Großstädten. Zum nächsten Berg, Wald oder Gewässer ist es meist nur ein Katzensprung. Ich glaube, dass viele Österreicher*innen sehr naturverbunden sind und Wert auf Qualität legen. Als Genussmenschen schätzen wir hochwertige, naturbelassene und regionale Lebensmittel sowie eine intakte Umwelt. Dieses Bewusstsein ist tief in unserer Kultur verankert und hat sich im Zuge der Corona-Pandemie wohl noch verstärkt. Neben der hohen Qualität und Regionalität der Lebensmittel verfügt Österreich über eine sehr gute Wasserqualität, sowohl beim Trinkwasser als auch bei den Badeseen. Obwohl Österreich ein sehr kleines Land ist, besitzt es eine Vielfalt an unterschiedlichen Landschaften, Traditionen, Gerichten und Dialekten. Angefangen von der flachen Steppenlandschaft rund um den Neusiedler See über die fruchtbare Donaulandschaft der Wachau, das Seengebiet im Salzkammergut bis zu den Alpen, Almen und Nationalparks. Es gibt so viel Schönes zu entdecken und es wird nie langweilig.
    austria.info: Dass dir regionale Produkte sehr wichtig sind, unterstreicht ja zusätzlich deine Verbundenheit mit der Natur. Darauf gehst du auch in deinen Touren besonders ein. Wie würdest du diese Verbindung beschreiben?
    Karin Kropik: Als Kind war ich zu fast jeder Jahreszeit draußen im Garten oder im Wald. Mit dem Heranwachsen habe ich diese natürliche Verbindung zur Natur vergessen. Erst in den letzten Jahren habe ich die Nähe zur Erde wieder bewusst gesucht. Ich liebe es einfach im Freien zu sein. Dort fühle mich sehr lebendig und mit meiner Umgebung verbunden. Wenn ich über längere Zeit in geschlossenen Räumen bin oder viel vor dem Computerbildschirm sitze, merke ich wie mir Lebensenergie entzogen wird. Es kommt schnell zu einer Reizüberflutung, Überforderung oder Erschöpfung. In der Natur hingegen habe ich das Gefühl, Energie zu tanken. Mein Nervensystem wird scheinbar mühelos wieder in Balance gebracht. Ich komme zur Ruhe und erkenne, was für mich in diesem Moment wichtig ist. Ich kehre zu mir selbst und meinem natürlichen Rhythmus zurück. Es ist diese Einfachheit in der Natur, die ich als so wohltuend und heilsam empfinde.
    Ein gemeinsamer Tag in der Natur
    austria.info: Bei deinen Touren möchtest du deinen Gästen ja genau diese Nähe zur Natur vermitteln. Wie kann man sich das vorstellen? Wie genau sieht ein Tag mit dir in der Natur aus?
    Karin Kropik: Nach einer kurzen Zentrierungsübung zum Ankommen gehen wir los. Im Lauf des Tages gibt es immer wieder kleine Wahrnehmungs- und Achtsamkeitsübungen, die auch in den Alltag mitgenommen werden können. Eine geführte Meditation sowie Gehen in Stille sind fixe Bestandteile jeder Tour. Natürlich bleibt auch genug Zeit für ungezwungenes Plaudern und ein gemeinsames Picknick. Die Landschaften und Routen wähle ich mit besonderer Sorgfalt aus. Welcher Ort strahlt Ruhe und Geborgenheit aus? Wo können Energien ins Fließen gebracht werden? Wo wird Klarheit gefördert? Wo strahlt mir die Schönheit der Natur entgegen? Die äußere Landschaft hilft uns innerlich im Gleichgewicht zu bleiben. Regelmäßige, bewusste Aufenthalte im Freien bringen mehr Balance ins Leben. Durch Achtsamkeit und bewusste Verlangsamung nehme ich meine Umgebung intensiver wahr. Es hilft, in die eigene Mitte und damit ins Hier und Jetzt zu kommen. Wenn es mir gelingt, die Aufmerksamkeit weg von rasenden Gedanken auf meinen Atem, meine Schritte und die mich umgebende Schönheit der Natur zu lenken, breitet sich mit der Zeit eine Gelassenheit und eine Ruhe im Körper aus.
    austria.info: Wer sind eigentlich deine Gäste? Wie kann man sich die Gruppen, die du begleitest, vorstellen?
    Karin Kropik: Meine Teilnehmer*innen sind oft Wien-Besucher*innen aus aller Welt, die sich während ihres Aufenthalts eine Auszeit vom klassischen Sightseeing wünschen und einen Tag lang in die Natur eintauchen möchten ebenso wie Österreicher*innen, die einen Ausgleich zum stressigen Arbeitsalltag suchen. Es sind also hinsichtlich Nationalität, Alter, Geschlecht und Beruf sehr bunt gemischte Gruppen. Was diese unterschiedlichen Menschen eint, ist die Sehnsucht nach Stille und Entspannung sowie die Bereitschaft sich auf Meditation und Bewusstseinsarbeit einzulassen.
    austria.info: Gibt es ein Erlebnis, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
    Karin Kropik: Ich hatte eine Tour mit Gästen aus dem Arabischen Raum. Die Besteigung der Reisalpe in Niederösterreich stand auf dem Programm. Der Wetterbericht sagte leichten Niederschlag voraus, doch schon auf der Hinfahrt goss es in Strömen. Zu meinem großen Erstaunen waren meine Gäste jedoch hellauf begeistert, denn Niederschlag bekamen sie sonst eher selten zu Gesicht. Im prasselnden Regen und bis auf die Haut durchnässt erreichten wir dann irgendwann den Gipfel. Ich ging sofort in die Hütte und freute mich auf eine wärmende Suppe. Meine Gäste hingegen zogen es vor, draußen zu bleiben und machten vergnügt Fotos im immer noch strömenden Regen. Ich konnte es nicht glauben. Soviel Begeisterung für Regen! Ich selbst gehe bei Schlechtwetter nur sehr ungern aus dem Haus, geschweige denn auf eine Wanderung. Die Reaktion meiner Gäste hat mich die Situation aber mit anderen Augen sehen lassen. Die aus den Wäldern aufsteigenden Nebelschwaden sind wunderschön zu beobachten und ab einem gewissen Punkt ist man so durchnässt, dass jeder weitere Versuch sich noch trocken zu halten sinnlos ist. Das ist mit ein Grund, warum ich diese Arbeit so gern mache - die Möglichkeit, Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.
    Mehr Achtsamkeit für die Details
    austria.info:

    Du kommst auch hier auf die Schönheit der Natur zu sprechen. Kannst du das definieren oder beschreiben?

    Karin Kropik:

    Die Schönheit der Natur offenbart sich oft in Details, spontanen Begegnungen und Stimmungen. Durch Achtsamkeit und bewusste Verlangsamung nehme ich meine Umgebung intensiver wahr. Es ist hilfreich, alle Sinne einzubeziehen. So kann ich beispielsweise an einer Blüte riechen oder Kräuter zerreiben und den würzigen Duft einatmen. Ich kann den Vogelstimmen in der Dämmerung lauschen oder die Rinde eines Baumes berühren. Ich kann meinen Blick auf die verschiedenen Farben und Formen lenken, auf das Detail eines Blattes oder die Struktur eines Astes. Vielleicht begegne ich Tieren oder ich bemerke das zarte Blinken des Abendsterns und den blassen Mond am Sommerhimmel. Ich nehme wahr, wie der Wind sanft mein Gesicht berührt und die dünnen Zweige der Bäume zum Schaukeln bringt. Diese einfachen Dinge bewusst wahrzunehmen empfinde ich als zutiefst beglückend und bereichernd.

    austria.info:

    Hast du Lieblingsorte oder Plätze, an denen die Verbundenheit mit der Natur für dich besonders spürbar ist?

    Karin Kropik:

    Lieblingsorte können ganz unscheinbare Plätze sein, die nur mir etwas bedeuten. Einer meiner Lieblingsplätze in Wien ist der Schönbrunner Schlosspark. Ich war schon als Kind mit meinem Opa dort und der Park mit seinen alten Bäumen und Blumenmeeren hat mich sehr beeindruckt. Ein weiterer besonderer Ort für mich ist der Schafberg im 17. Wiener Bezirk. Dort liege ich gern auf einer der beiden Wiesen mit fantastischem Blick über die Stadt und die umliegenden Hügel. Im Frühsommer blühen hier verschiedenste Wildblumen und Gräser. Auch ein paar alte Obstbäume wachsen dort. Der Ort vermittelt für mich Geborgenheit gepaart mit einer unendlichen Weite. In Neuwaldegg, einem Stadtteil von Wien, gibt es eine kleine Streuobstwiese am Waldrand. Jemand hat ein paar Bienenstöcke aufgestellt. Immer wenn ich dort vorbeikomme, freue ich mich über den Anblick. Sie strahlt eine Lieblichkeit und Geborgenheit aus, auf eine ganz einfache Art und Weise. So können scheinbar banale Orte zu Kraft- und Lieblingsplätzen werden, wenn wir ihnen unsere Wertschätzung und Aufmerksamkeit schenken.

    austria.info:

    Für viele Menschen sind die Gesundheitsfaktoren, bedingt durch die Corona-Pandemie, noch zentraler geworden. Nimmst du diese Veränderung auch bei deinen Gästen wahr?

    Karin Kropik:

    Ich beobachte eine Verschiebung der Werte und ein Aussteigen aus bekannten Mustern. So haben mir einige Teilnehmer*innen erzählt, dass sie auch nach der Pandemie lieber im Homeoffice arbeiten würden. Andere haben ihr Arbeitspensum verringert oder den Job gewechselt. Aufgrund der langen Isolation und des erzwungenen Innehaltens bekommt man Klarheit darüber, was wirklich wichtig ist. Ein Bewusstseinswandel findet statt. Ich habe den Eindruck, dass viele Menschen erkannt haben, welchen Stellenwert die Familie und der Freundeskreis in ihrem Leben haben. Manch einer wünscht sich vielleicht auch zukünftig mehr Zeit für sich selbst und sein Wohlbefinden. Ausgelöst durch die vielen Restriktionen und Vorschriften, wird die Sehnsucht nach mehr Freiheit, Flexibilität und Selbstbestimmung im eigenen Leben erweckt. Ich glaube, dass auch die Ansprüche der Gäste an den Tourismus einem Wandel unterworfen sind. Zumindest hoffe ich, dass die Pandemie eine Abkehr von dem permanenten „Fear of missing out“-Gefühl bewirkt und auch die eigene Urlaubsgestaltung wieder individueller und mit mehr Fokus auf Nachhaltigkeit passieren wird. Vielleicht gibt es einen Trend zu weniger Reisen, dafür mit längeren Aufenthalten und mehr Tiefe statt Oberflächlichkeit.

    Word Rap mit Karin Kropik

    Karin Kropik
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    Abenddämmerung in der Natur...
    Meine liebste Tageszeit. Hier empfinde ich die meiste Inspiration. Ich liebe die besondere Lichtstimmung der „Blauen Stunde”.

    Frühsommer in der Natur...
    Schönste Jahreszeit, alles wird wieder auf Anfang gesetzt; eine spürbare Aufbruchsstimmung, Freude, Lebendigkeit.

    Elemente im Wandel...
    Überall erkennbar – Natur, Jahreszeiten und auch der Mensch selbst sind einem stetigen Wandel, einer Veränderung unterworfen

    Welterbesteig Wachau
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    Sinneswahrnehmung
    Wird in der Natur noch einmal intensiviert. Nichts ist schöner als sich auf die Umgebung mit allen Sinnen einzulassen

    Verbundenheit mit der Natur
    Sich selbst spüren und lebendig fühlen.

    Stille
    Nährend und heilsam. Ausdehnung und Weite.

    Österreich
    Mein Zuhause, meine Wurzeln. Das, was mich prägt.

    Weinherbst Wachau / Wachau
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    Bewusstseinsarbeit in der Natur

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    Interview geführt von Katrin Erben

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